AKTUELLE ENTWICKLUNGEN
URBANISIERUNG SCHREITET VORAN Während heute bereits die Hälfte der Weltbevölkerung, etwa 3,3 Milliarden Menschen, in Städten lebt, werden es im Jahr 2030 bereits fünf Milliarden sein. (Herbermann, 2007)
DEUTSCHLAND 2020: DIE BEVÖLKERUNGSZAHL DEUTSCHER GROSSSTÄDTE
Bis zum Jahr 2020 soll Münchens Einwohnerzahl um 6,8 Prozent auf 1,3 Millionen wachsen. Hamburgs Bevölkerung wird um 2,2 Prozent auf 1,8 Millionen wachsen. Berlin wird seine Einwohnerzahl von 3,4 Millionen halten. In Frankfurt am Main dagegen wird die Einwohnerzahl um 4,3 Prozent auf 623800 sinken. (Haimann, 2007) IMMER MEHR MILLIONENSTÄDTE
Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es weltweit 11 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. 1950 waren es bereits 80, 1990 schon 276, 2000 fast 400 und 2015 werden es voraussichtlich 550 sein. (Le Monde diplomatique, 2006, S. 34) URBANISIERUNGSPROZESS: ENTSCHLEUNIGUNG IN DEN INDUSTRIENATIONEN, BESCHLEUNIGUNG IN ASIEN UND AFRIKA
Bis zum Jahr 2030 wächst die städtische Bevölkerung weltweit alle zehn Tage um durchschnittlich 1,6 Millionen Menschen. Dieser Prozess verläuft allerdings nicht überall gleich. In den Industrienationen ist die Urbanisierung bereits weit vorangeschritten. Beispielsweise leben in Europa 75 Prozent der Menschen in Städten, in Nordamerika sind es 80 Prozent. Aufgrund des erreichten Niveaus schwächt sich die Urbanisierung, gemessen als Veränderung des Anteils der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung, bereits ab. In Asien und Afrika dagegen, wo immer noch 60 Prozent der Menschen auf dem Land leben, ist dagegen eine leichte Beschleunigung des Urbanisierungsprozesses zu verzeichnen. (DB Research, 2008)
MEGACITY SHANGHAIV- WACHSTUM IN DIE HÖHE
Um Wohnraum und Arbeitsplätze für über 17 Millionen Einwohner zu schaffen, wächst die Stadt Shanghai rasant in die Höhe: Gab es 1980 nur 121 Häuser, die mehr als acht Stockwerke hoch waren, waren es im Jahre 2000 schon über 3000 und im Jahre 2005 bereits mehr als 10000. (Krieger, 2008) STEIGENDE WASSERKNAPPHEIT DURCH URBANISIERUNG
Nach Schätzungen der UN werden im Jahre 2025 1,8 Milliarden Menschen in Gebieten leben, in denen absoluter Wassermangel herrscht. Verschärft wird diese Situation noch durch die anhaltende Landflucht insbesondere in südlichen Regionen der Erde. Im Jahre 2020 werden 27 der 33 Städte mit mehr als 8 Millionen Einwohnern in Ländern des Südens liegen. Dabei wird sich der Wasserverbrauch der privaten Haushalte durch den höheren Lebensstandard in der Stadt um 40 Prozent erhöhen. Der Grundwasserspiegel unter solchen Megacities sinkt rapide; zusätzlich wird das Grundwasser durch private und industrielle Abwässer verschmutzt. Heute gelangen in den Entwicklungsländern 90 Prozent der Abwässer und 70 Prozent der Industrieabfälle ungeklärt ins Oberflächenwasser. (Le Monde diplomatique, 2006, S.14f)
STÄDTISCHE VERKEHRSINFRASTRUKTUR VERURSACHT ENORME KOSTEN
Schnell wachsende Städte sind mit dem Problem konfrontiert, dass der Individualverkehr viel schneller wächst als die Verkehrsinfrastruktur. Tägliche Pendelzeiten von bis zu vier Stunden sind deshalb in Megacitys keine Seltenheit. Bis zum Jahr 2030 müssen weltweit geschätzte 7,8 Billionen US-Dollar in den Ausbau und die Sanierung der städtischen Straßen und Schienenwege investiert werden, über die Hälfte davon in Europa und Nordamerika. Um Finanzierungslücken zu schließen, ist eine Prüfung privater Finanzierungsmodelle unumgänglich. (DB Research, 2008)
SOZIALES GEFÄLLE VERURSACHT ENKLAVENBILDUNG
Die sozialen Unterschiede, die zwischen den Stadtvierteln einer Stadt bestehen, insbesondere in den Millionenstädten, sind oft eklatant. Der Gegensatz zwischen den Elendsvierteln (den slums, favelas, bidonvilles etc.) und den besseren Wohngegenden, führt zu einer Herausbildung diskriminierender Urbanität. Deutlich wird dies vor allem durch die zunehmende Abschottung der oberen Mittelschicht und der Neureichen in den sogenannten „gated communities“. (Le Monde diplomatique, 2006, S. 34-35)
AFRIKA: DER HUNGER IN DER STADT Der Hunger in Afrika betrifft erstmals in der Geschichte des Kontinents nicht mehr überwiegend die ländlichen Gebiete, sondern die explodierenden Großstädte. Da die afrikanische Landwirtschaft bislang auf Selbstversorgung beruhte, kann sie den wachsenden Bedarf in den Großstädten nicht decken. Afrika ist inzwischen der Kontinent, der die meisten Nahrungsmittel importieren muss. Neu ist damit auch, dass nicht das Fehlen der Nahrungsmittel, sondern die steigenden Lebensmittelpreise für den Hunger verantwortlich sind. Die Welternährungsorganisation schätzt, dass Afrika für seine Getreideimporte in diesem Jahr das Doppelte bezahlen muss wie im Vorjahr. Bereits im letzten Jahr waren die Lebensmittelpreise um 15 Prozent gestiegen. Vor diesem Hintergrund kommt es immer öfter zu blutigen Hungerrevolten, insbesondere in den westafrikanischen Städten. Diese soziale Zeitbombe würde sich allein durch eine massive Steigerung des landwirtschaftlichen Anbaus, eine grüne Revolution, entschärfen lassen. (D’Anna-Huber, 2008) EUROPA 2030: BEVÖLKERUNGSVERLUSTE IM LÄNDLICHEN RAUM
Bis zum Jahr 2030 soll die Bevölkerung in den europäischen Städten nur geringfügig von 526 Millionen auf 546 Millionen anwachsen. Im Gegensatz dazu wird sich die Anzahl der Europäer, die in Dörfern, Klein- und Mittelstädten leben, von 203 auf 152 Millionen verringern. (Haimann, 2007)
DEUTSCHLAND 2020: LÄNDLICHE GEBIETE VERLIEREN EINWOHNER Seit der Wiedervereinigung haben 1,5 Millionen Menschen die neuen Bundesländer verlassen. In den Ländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist die Bevölkerung seitdem um acht bis zwölf Prozent geschrumpft. In den alten Bundesländern sind insbesondere das Saarland, das Ruhrgebiet und die Regionen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze vom Schrumpfungsprozess betroffen. Profitiert haben von der Abwanderung der Jungen und Qualifizierten die wirtschaftsstarken Räume im Süden und im Westen, vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Bis 2020 setzt sich dieser Trend fort: Der Osten Deutschlands und das Ruhrgebiet werden sich weiter entleeren. Die Abwanderung vollzieht sich vor allem in das Umland großer Städte. Darüber hinaus werden entlegene, ländliche Regionen in Ost und West durch die Abwanderung und den demografischen Wandel einen erheblichen Teil ihrer Bevölkerung verlieren. (Kröhnert et al., 2006)
URBANE LANDWIRTSCHAFT
Zur Ernährung ihrer Bewohner braucht eine durchschnittliche Stadt heute eine Ackerlandfläche, die das Zehnfache ihrer eigenen Größe beträgt. Bis zum Jahr 2050 werden zusätzlich mehr als eine Milliarde Hektar benötigt, eine Fläche von der Größe Brasiliens, die nicht verfügbar ist. Ultraeffiziente Hoch-Treibhäuser oder umgebaute Fassaden von Bürogebäuden könnten die Lösung sein. Erste Ansätze für eine solche Öko-Stadt werden im Moment in China umgesetzt. Dort entsteht in der Nähe von Shanghai die erste komplett nachhaltige Stadt: Dongtan. Sie soll beispielsweise so viele Lebensmittel erzeugen, wie auf einer Landwirtschaftsfläche gleicher Größe wachsen würden. (Vogel, 2008) |