Zukunftsprognose

Grundmodelle der Zukunftsprognose

Für die Analyse und Prognose der wahrscheinlichen Zukunft gibt es viele methodische Ansätze. Einige Grundmodelle der Zukunftsprognose lernen Sie hier kennen.

Beim Extrapolations-Modell werden vorhandene Trends in ihrem bisherigen Verlauf fortgeschrieben. Extrapolation wird in der Praxis häufig bei Umsatz- und Ertragsprognosen eingesetzt und ist das einfachste und zugleich auch fehleranfälligste Denkmodell der Zukunftsprognose.

Die S-Kurve ist das Grundmodell vieler Marktprognosen. So kann beispielsweise das Wachstum der Weltbevölkerung wie auch die zukünftige Verbreiterung eines Produktes wie etwa eines neuen Computerchips prognostiziert werden. Leider weiß man nie genau, wo man sich auf der S-Kurve gerade befindet und wie lange die Entwicklung dauert.

Beim Vorläufer-Modell geht man davon aus, dass sich Entwicklungen eines Landes, einer Branche oder eines Indikators in anderen Bereichen wiederholen. Zurzeit wird in Deutschland beispielsweise die erfolgreiche Halbierung der Arbeitslosigkeit in Dänemark als Zukunftsmodell diskutiert. Genauso untersuchen Klinikbetreiber zurzeit die Prozessabläufe in der Industrie, um ihre eigene Entwicklung vorauszusehen.

Bei historischen Analogien geht man davon aus, dass sich Grundmuster von Ereignissen und Abläufen wiederholen. So nahm beispielsweise der Aufstieg und Untergang der „New Economy“ um die Jahrtausendwende den gleichen Verlauf wie der so genannte Tulpenzwiebel-Boom in Holland in den 1630er Jahren. Viele Unternehmensstrategien basieren auf Annahmen, die auf historischen Analogien basieren.

Nach dem zyklischen Modell verlaufen vergangene und zukünftige Prozesse in Form immer wiederkehrender Muster und Wellen. In diesem Zusammenhang sind die Kondratieff-Zyklen besonders bekannt, die durchschnittlich alle 53 Jahre eine neue Technologie als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft betrachten. Im Unterschied zu den historischen Analogien geht man hier von einer stetigen Entwicklung aus, während der Zusammenhang zu historischen Analogien meist erst noch konstruiert werden muss.

Diskontinuitäten sind überraschende Entwicklungen und einschneidende Ereignisse wie zum Beispiel ein Terroranschlag. Der Verlauf der Geschichte wird unterbrochen. Mit diesem Denkmodell geht man von einer überraschenden Entwicklung aus und baut darauf eine Aussage über die Zukunft auf.

Kausale Modelle bauen auf der mathematischen Abbildung logischer Schlussfolgerungen auf. Beispielsweise kann man aus dem steigenden Ansehen eines Verlages schließen, dass sich die Auflage der Zeitung erhöhen wird. Bei sehr komplexen Systemen können jedoch weder die Ausgangsbedingungen noch die exakten Wirkungszusammenhänge und -stärken mathematisch beschrieben werden, so dass kausale Modelle eher dem Systemverständnis als der Systemprognose dienen.

Probabilistische Modelle gehen für ihre Prognosen von der empirischen oder hypothetischen Wahrscheinlichkeit aus. Beispielsweise geht man davon aus, dass sich die Katastrophe von Tschernobyl mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10.000 (Jahren) wiederholen wird. Der genaue Eintritt kann dabei nicht definiert werden.

Bei diesem ältesten Modell der Zukunftsprognose verlässt man sich ganz auf seine Intuition. Ohne Anwendung von Methoden "weiß" man, was die Zukunft bringen wird und welche Strategien anzuwenden sind. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung verwenden die meisten Autoren der Zukunfts- und Trendforschung nicht etwa komplexe Prognosemethoden, sondern meistens nur die individuelle Intuition, sie wissen einfach, was kommt.

Das Modell der kollektiven Intuition geht davon aus, dass die Mittelwerte vieler intuitiv generierter Prognosen eine hohe Prognosequalität besitzen. Korrelationsanalysen der so genannten "Neujahrsfrage" des Allensbach-Instituts mit dem Wirtschaftwachstum des Folgejahres in Deutschland hatten über einige Jahrzehnte eine recht hohe Prognosequalität. So haben auch in einem Experiment der britischen Zeitschrift "Economist" die Londoner Müllmänner die Entwicklung der britischen Wirtschaft zwischen 1984 und 1994 genauer vorausgesagt als Finanzminister, Manager und Börsenexperten. Die Delphi-Methode ist eine für die Praxis operationalisierte Methode der kollektiven Intuition.

Von den vielen Grundmodellen der Zukunftsprognose vermag natürlich keines die Zukunft zuverlässig vorherzusagen. Es sind Hilfsmittel für mehr oder weniger strukturierte Vermutungen über die wahrscheinliche Zukunft.