Zukunftsszenario
Die klassische Szenario-Methodik geht von der prinzipiellen Unvorhersagbarkeit der Zukunft aus und versucht, mit üblicherweise drei bis fünf Szenarien gleich wahrscheinlicher oder gleich unwahrscheinlicher Zukünfte die möglichen Ausgänge der Zukunft aufzuzeigen. Die Forderung besteht dann darin, sich mit einer Zukunftsstrategie so zu auszurichten, dass man in allen Szenarien einigermaßen gut zurechtkommt. Da es in der klassischen Szenario-Methode außer den Entwürfen alternativer Zukünfte keinen anderen Blick in die Zukunft des Umfelds gibt, sollen die Szenarien auch eine gewisse Orientierungsfunktion erfüllen.
Ein Zukunftsszenario ist ein System von Projektionen, das ein komplexes Bild einer möglichen Zukunft und eventuell den Weg dorthin beschreibt. Besondere Bedeutung erhalten Szenarien bei der Betrachtung der Zukunft durch die rote Brille (Überraschungsanalyse).
Beispielszenario: Die Schlacht von Dorking
1871 veröffentlichte G.T. Chesney im Blackwood’s Magazine die fiktive Geschichte The Battle of Dorking. When William Came. Es war wohl eine der ersten gezielten Anwendungen eines Zukunftsszenarios. Kern der Handlung war eine deutsche Invasion in Großbritannien im Jahr 1872, also ein Jahr in der Zukunft. Die deutsche Reichsgründung und der Sieg des Deutschen Reichs über Frankreich schufen die Kulisse für die Story. Mit William war Kaiser Wilhelm gemeint.
Chesney schrieb, dass die britische Armee rund um die Welt verstreut war. Sie schlug Aufstände in Indien nieder, beschützte Kanada vor den Vereinigten Staaten und bewachte Irland vor Übergriffen durch Napoleon III. Indes hatten die Deutschen neue Techniken wie Torpedos entwickelt, mit denen sie die verbliebene britische Flotte in der Nordsee rasch überwältigten. Auch der letzte Widerstand in der Schlacht von Dorking schlug fehl und so kam was kommen musste: Die Deutschen eroberten Großbritannien. So endete das Szenario.
Der Text verursachte große Aufregung in Großbritannien. Der Premierminister war empört wegen der seiner Meinung nach mangelnden Plausibilität. Dennoch löste The Battle of Dorking eine Diskussion aus, in deren Zuge die britische Militärstrategie grundlegend überdacht und geändert wurde. Der Heimatverteidigung wurde wieder wesentlich mehr Gewicht beigemessen.
