Das A und E der Mobilität der Zukunft: Das Jahr 2017 war wegweisend für das elektrische und autonome Fahren.

Die Unsicherheit darüber, wie sich der Markt für Elektromobilität entwickeln wird, scheint 2017 ein Stück weit gewichen. Für mehr Klarheit zur Mobilität der Zukunft sorgten unter anderem die Ankündigungen von Großbritannien und Frankreich den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor bis 2040 zu verbieten. Langfristig stärker ins Gewicht fällt der asiatische Raum. In Indien sollen ab 2030 alle neu verkauften Autos mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet sein. In China sollen 2030 immerhin mindestens 40 Prozent der Neuwagen E-Fahrzeuge sein. Beide Länder stellen zusammen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung.

Neben den Ankündigungen und Initiativen zahlreicher Regierungen scheint es auch für immer mehr Autofahrer vorstellbar, in Zukunft ein Elektroauto zu fahren. Sinkende Preise, steigende Reichweiten sowie generell geringere Wartungs- und Betriebskosten sind hier die wesentlichen Treiber. Die Kostennachteile verschwinden. Schon in einigen Jahren können Elektroautos auch hier im Vorteil sein. Hinzu kommt: Wer tatsächlich einmal ein gutes Elektroauto gefahren ist, merkt, dass diese auch performanter sind als Verbrenner.

Ankündigungen großer Automobilhersteller markieren Umbruch

Die Vision Elektromobilität wurde 2017 von den Automobilherstellern offensiv wie nie zuvor in die Öffentlichkeit getragen.Einige Beispiele: Mit der 'Roadmap E' startete Volkswagen die umfassendste Elektrifizierungsoffensive der Automobilindustrie. Mehr als 20 Milliarden Euro werden in den Bereich Elektromobilität investiert. Bis 2025 sollen 80 neue Elektrofahrzeuge auf den Markt kommen. Daimler plant, bis 2022 das gesamt Mercedes-Portfolio zu elektrifizieren. In jeder Mercedes-Baureihe soll mindestens eine elektrifizierte Alternative angeboten werden. Die Marke smart wird bis 2020 in Europa und Nordamerika komplett auf elektrische Antriebe umgestellt. BMW will bis 2025 25 E-Modelle auf den Markt bringen. Noch radikaler ist die Ankündigung von Volvo Cars, ab 2019 nur noch Autos mit mindestens einem Hybrid-Antrieb zu produzieren.

Neue Wettbewerber, neue Märkte

Der Elektroauto-Pionier Tesla ist dieses Jahr mit dem Model 3 in die Serienproduktion eingestiegen und hofft, den Massenmarkt zu erobern. Ziel ist es, 2018 eine halbe und 2020 eine Million E-Autos zu produzieren. Trotz der aktuellen Verzögerungen im Produktionshochlauf könnte sich Tesla im E-Segment zum führenden Hersteller entwickeln.

Neue Konkurrenz erwächst den etablierten Autobauern auch aus China, dem größten und auch in Zukunft wohl am stärksten wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge. Die Volksrepublik ist nicht nur das bevölkerungsreichste Land der Welt, sondern auch der mit Abstand größte Emittent des Treibhausgases CO2. Von der Regierung gesetzte Mindestziele für den Anteil alternativer Antriebe setzen die heimischen Autobauer unter Druck, sind aber auch ein wichtiger Innovationsmotor: Die Chinesen könnten so den Technologievorsprung der großen internationalen Autobauer beim Verbrennungsmotor einfach überspringen. Der chinesische Hersteller BYD ist bereits der größte E-Auto-Hersteller der Welt. Geely arbeitet an zwei neuen Plattformen für die Fertigung von Plug-in-Hybriden (PHEV) und reinen Elektroautos – und hat dabei auch den europäischen und den US-Markt im Visier.

Der Wettbewerb dürfte sich in Zukunft weiter intensivieren. Aufgrund der einfacheren Technologie werden zunehmend auch Startups Fahrzeuge auf den Markt bringen. Ein interessantes Beispiel ist der vor wenigen Monaten vorgestellte Sion des Münchner Startups Sono Motors. Das E-Auto kann, zumindest teilweise, über in die Karosserie integrierte Solarzellen geladen werden. Das Fahrzeug wird damit zur mobilen Ladestation. Der erzeugte Strom kann sogar weitergegeben werden (Sharing).

Neben innovativen Startups treten auch branchenfremde Player in den Markt. Das vor allem für Staubsauger und Haartrockner bekannte britische Unternehmen Dyson arbeitet an einem 'radikalen' batteriebetriebenen Elektrofahrzeug, das 2020 auf den Markt kommen soll. Die Heidelberger Druckmaschinen AG hat massiv in den Bereich Elektromobilität investiert und kürzlich eine Wallbox zum weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge vorgestellt. Der Einstieg dieser Branchenfremden zeugt aber auch von einer Goldgräberstimmung und möglicher Überhitzung des Marktes. Ob sie Erfolg haben werden, wird sich zeigen. Sicher aber ist, die Elektromobilität entwickelt sich zu einem komplexen Ökosystem. Unterschiedlichste Unternehmen kooperieren, stehen aber auch in einem intensiven Wettbewerb zueinander.

Experten korrigieren ihre Prognosen zugunsten einer schnelleren Einführung von Elektroautos

Einen Eindruck, den man 2017 gewinnen konnte: Die Elektromobilität kommt schneller und flächendeckender als bisher gedacht. Bloomberg New Energy Finance hat beispielsweise seine Prognose zum Anteil von E-Autos an allen verkauften Fahrzeugen im Jahr 2040 kürzlich von 35 Prozent auf 54 Prozent erhöht. Tesla-Gründer Elon Musk und Experten von BCG sehen die 50 Prozent-Market bereits 2027 beziehungsweise 2030 erreicht (siehe Grafik).

Gekoppelt mit autonomem Fahren entwickelt die Elektromobilität ihr wahrhaft disruptives Potenzial.

Radikal ist die Prognose des unabhängigen Think Tanks RethinkX: Ab 2024 werden auf dem US-Markt praktisch keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr verkauft. Warum? Weil in Zukunft Flotten autonom fahrender Elektrofahrzeuge die Mobilität dominieren. Bis 2030 könnten sogar 95 Prozent der in den USA zurückgelegten Kilometer durch ein entsprechendes Mobility-as-a-Service-Modell substituiert werden. Das heißt: Verbrenner, die bis dahin noch im Einsatz waren, verrosten dann entweder im Vorgarten oder landen zum Recycling auf dem Schrottplatz. Wird sich die Art und Weise, wie wir mobil sind, wirklich so schnell und grundlegend verändern? Möglich ist das, denn gekoppelt mit autonomem Fahren entwickelt die Elektromobilität ihr wahrhaft disruptives Potenzial.

Wettrennen autonomer Pilotprojekte für die Mobilität der Zukunft

Seit 2017 stehen in Deutschland die ersten Verkehrsschilder für automatisiertes Fahren – an der A9 München – Ingolstadt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur betreibt hier das 'Digitale Testfeld Autobahn'. Audi präsentierte auf der IAA den A8, das erste Serienauto der Welt für hochautomatisiertes Fahren auf Level 3 nach internationalen Standards. Bosch gab bekannt, in Kooperation mit Daimler ein selbstfahrendes Taxi zu entwickeln, das ab 2018 auf deutschen Straßen getestet werden soll. Volvo bringt im Pilotprojekt 'Drive Me' ab Dezember die ersten voll autonomen Fahrzeuge auf die Straßen von Göteborg. Das Unternehmen hat zudem angekündigt, dass es die Haftung übernehmen wird, wenn künftig autonom fahrende Autos einen Schaden verursachen.

Und in Singapur testet das Startup Nutonomy seit etwas mehr als einem Jahr selbstfahrende Taxis. Dieses Jahr wurde Nutonomy vom Autozulieferer Delphi übernommen. Geplant ist die Entwicklung einer Plattform für Robotaxis. Daran arbeitet u.a. auch die Alphabet-Tochter Waymo (hervorgegangen aus Googles Driverless Car Project), die dieses Jahr Klage gegen Uber einreichte, weil der Fahrdienstvermittler bei Googles Roboterwagen-Technologie geklaut haben soll. Diese und viele weitere Beispiele zeigen: Die selbstfahrende Zukunft zeichnet sich 2017 mehr denn je ab. Noch ist die Technologie allerdings nicht ausgereift und Autofahrer stehen dem autonomen Fahren weiterhin skeptisch gegenüber.

Mobility-as-a-Service: Mehr Kilometerleistung bei weniger Fahrzeugen


Bereits in zehn Jahren könnte die Vorherrschaft des motorisierten Individualverkehrs und des Verbrennungsmotors zu Ende gehen. Flotten autonom fahrender Elektrofahrzeuge werden dann zunehmend das Straßenbild bestimmen. 2030 sollen die Anbieter entsprechender Mobilitätsdienstleistungen 40 Prozent des Gesamtgewinns der Automobilwirtschaft erwirtschaften. Was das bedeutet? Unterschiedlichen Akteuren im Mobilitätsmarkt brechen die Einnahmequellen existenzbedrohend weg.

Bereits in zehn Jahren könnte die Vorherrschaft des motorisierten Individualverkehrs und des Verbrennungsmotors zu Ende gehen.

  • Durch optimale Auslastung werden deutlich weniger Fahrzeuge verkauft.
  • Der Wartungs- und Reparaturaufwand wird aufgrund der geringeren Fahrzeuganzahl, der Elektrifizierung und deutlich gesunkener Unfallzahlen zurückgehen.
  • Da Hersteller und Mobilitätsdienstleister direkt miteinander kooperieren, droht dem überwiegenden Teil der Händler das Aus.
  • Tankstellen werden in ihrer bisherigen Form überflüssig.
  • Robotaxis ersetzen große Teile des ÖPNV.

Wovon Leben Sie morgen? Ihre Vision ist Ihre rentabelste Investition!

Ein großer Teil der Wertschöpfung im Mobilitätssektor wird in Zukunft anders oder gar nicht mehr erbracht werden. Viele meiner Klienten diskutieren derzeit teils radikale Zukunftsszenarien zum Automobilmarkt. Meist ist das Ergebnis, dass die Auswirkungen auf das eigene Geschäft weit drastischer sein werden als bisher angenommen. Eine Neuausrichtung wird nötig.

Die Zukunftsstrategien sämtlicher Akteure – von den Zulieferern bis hin zu den Händlern und Werkstätten – müssen die Potenziale von Elektromobilität und autonomem Fahren aufgreifen. Dafür ist es notwendig, neue Ertragsquellen zu erschließen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die hohe Streuung der Prognosen zeigt aber auch nach wie vor die Unsicherheit im Markt und damit die Notwendigkeit, die Annahmen hinter der eigenen Strategie transparent, solide und vorurteilsfrei zu entwickeln. Wie sieht es bei Ihnen aus? Auf welchen Annahmen basieren Ihre Vision und Strategie? Sind sie wirklich zukunftsrobust?

Zur Disruption im Mobilitätsmarkt sind bisher erschienen:

Future Car Sales & Services. Wie der Wandel des Mobilitätsmarktes das Geschäft für Händler und Werkstätten verändern wird (2017)

Future Urban Mobility. Integration und Disruption: Städte als Zentren der Neuordnung des Mobilitätsmarktes (2016)

Smart Cars Are Coming Fast. Herausforderungen und Chancen im Zukunftsmarkt 'Intelligent Driving' (2015)

Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft (2014)

Ihr Ansprechpartner

Enno Däneke

Enno Däneke
Sie erreichen mich unter ED@FutureManagementGroup.com sowie unter +49 173 346 98 40.






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