IT-Revolution in der Medizin
Zukunftsmarkt im Fokus: E-Health
E-Health bezeichnet die digitale Vernetzung aller Akteure und Prozesse im Gesundheitswesen. Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie ermöglicht Qualitätsverbesserungen in der Patientenbetreuung, Rationalisierungseffekte bei Datenerfassungs- und Kommunikationsprozessen oder neue Leistungen wie etwa den Zugang zu Gesundheitsinformationen- und Dienstleistungen über das Internet oder per Fern-Monitoring. Moderne Sensortechnologie und Telekommunikationsdienste helfen, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken im häuslichen Umfeld zu minimieren. Bereits in naher Zukunft sollen autonome und vernetzte Monitoring- und Assistenz-Systeme alte oder kranke Menschen aktiv dabei unterstützen, in ihrem gewohnten Umfeld bleiben zu können. Entsprechende Konzepte gewinnen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der steigenden Kosten im Gesundheitssystem zunehmend an Bedeutung. Die entscheidenden Vorteile der Informatisierung aller Bereiche des Gesundheitswesens sind Effizienzsteigerung, Prävention, Partizipation und Transparenz. In Zukunft werden wir wesentlich informierter über unseren Gesundheitszustand sein und infolgedessen auch gesundheitsbewusster leben. Beispielweise werden wir unsere Vitalparameter checken wie heute unsere E-Mails.
Bildquelle: Cisco
Aktuelle Entwicklungen

Smartphone überwacht Herzfrequenz
Wissenschaftler des belgischen Interuniversity Microelectronics Centre haben eine Smartphone-Software zur Überwachung des Herzschlages entwickelt. Ein EKG-Gerät übermittelt die Daten über eine Schnittstelle drahtlos an das Telefon, das die Herzfrequenz grafisch darstellt. Die Schnittstelle eignet sich auch zur Überwachung weiterer Körperfunktionen wie Gehirnaktivität oder Muskelaktivität und kann in ein sogenanntes Body Area Network (BAN) integriert werden. (IMEC, 2010)

E-Kontaktlinse misst Augeninnendruck
Das Schweizer Unternehmen Sensimed hat mit Triggerfish® eine Silikon-Kontaktlinse für den einmaligen Gebrauch entwickelt, in der ein eingebetteter Dehnungssensor über einen Zeitraum von 24 Stunden den Augeninnendruck misst. Die Daten werden drahtlos an ein Aufzeichnungsgerät gesendet, das der Patient mit sich trägt, und können später vom Arzt zur Analyse per Bluetooth ausgelesen werden.
(Sensimed, 2011)

Virtueller Arztbesuch: Cisco HealthPresence
Cisco hat mit "HealthPresence" ein High-End-Audio/Videokonferenzsystem entwickelt, das eine sprechstundenähnliche Kommunikation zwischen Arzt und Patient über beliebige Entfernungen hinweg ermöglicht. Zudem verfügt das System über Anschlüsse für verschiedene Diagnosegeräte, mit denen sich Vitaldaten erfassen lassen. Eingesetzt werden soll "HealthPresence" nicht nur in Krankenhäusern und Arztpraxen, sondern auch in Apotheken, Seniorenheimen, Unternehmen, Schulen und Einkaufszentren. (Cisco, 2010)

Neuro-Chip blockiert Schmerzen
Wissenschaftler von National ICT Australia haben einen Anti-Schmerz-Chip entwickelt, der in die Wirbelsäule implantiert wird. Der Chip ist in der Lage, Schmerzsignale zu erkennen und durch einen zehn Volt starken Stromstoß zu blockieren, so dass sie nicht mehr ins Gehirn weitergeleitet werden können.
(NICTA, 2010)

Gesundheitsplattform Assignio: Der Bürger als Gesundheitsmanager
2010 ist die Gesundheitsplattform Assignio von Siemens IT Solutions and Services und Microsoft in Deutschland gestartet. Assignio ermöglicht es, alle gesundheitsrelevanten Informationen und Daten online zusammenzuführen und selektiv darauf zugreifen zu lassen, beispielsweise durch Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken und andere Anbieter von Gesundheitsleistungen. Die Vorteile des Systems: Personalisierung, Transparenz und Selbstbestimmtheit. (Siemens, 2010)

Web 2.0-Plattform "PatientsLikeMe"
Die Healthcare-Website will den direkten Austausch zwischen Patienten fördern und den Nutzern den Zugang zu Informationen und Erfahrungsberichten aus erster Hand ermöglichen. Die drei Grundprinzipien lauten: "Share your health profile", "Find patients like you" und "Learn from others". Für die Pharmaindustrie werden Kooperationen mit entsprechenden Portalen zunehmend interessant. Medikamentenhersteller können beispielsweise von der großen Datenmenge zu Neben- und Verträglichkeitswirkungen profitieren. (PatientsLikeMe, 2011)

Ambient Assisted Living: MedCottage
Das US-Unternehmen N2Care hat mit dem MedCottage eine Pflegestation im Cottage-Stil auf den Markt gebracht. Das Gebäude kann einfach auf das Grundstück der pflegenden Familie gestellt oder an das Haus angeschlossen werden. AAL-Technologien erleichtern die Pflege: Die Toilette misst das Gewicht und analysiert den Urin. Sensoren im Teppichboden erkennen und melden einen Sturz. Ein Computer erinnert den Bewohner daran, seine Medikamente einzunehmen.
(N2Care, 2011)
Projektionen

In Deutschland werden bis 2020 rund 25.000 Hausärzte fehlen
Das Angebot an Hausärzten in Deutschland wird sich in den nächsten zehn Jahren deutlich verringern. Es droht ein Mangel von bis zu 25.000 Ärzten. Bereits im Jahr 2010 blieben in Deutschland mehr als 2.000 Hausarztstellen unbesetzt. Vor allem in ländlichen Gebieten eröffnet das der Telemedizin zahlreiche Chancen. (Völker, 2010)

Die IT-Investitionen im deutschen Gesundheitswesen
werden weiter steigen
Die Investitionen in moderne Informationstechnologien im deutschen Gesundheitswesen werden von 4,2 Milliarden Euro in 2010 auf fünf Milliarden Euro in 2014 steigen. Allein die Ausgaben für Software und IT-Services werden sich mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von acht Prozent auf 1,7 Milliarden Euro in 2014 erhöhen. Vor allem Standardsoftwarelösungen verfügen über ein hohes Wachstumspotenzial. (BITKOM, 2010)

Der europäische Markt für Telemedizin wird bis 2020 um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr wachsen
Absolut steigt der Umsatz im Bereich Telemedizin von rund sechs Milliarden Euro in 2010 auf 19 Milliarden Euro in 2020. Durch den Einsatz telemedizinischer Systeme wird sich die Versorgung zunehmend vom stationären in den ambulanten Sektor verlagern. (DB Research, 2010)

Der weltweite Telehome-Markt wird signifikant wachsen
Der weltweite Markt für Telemedizin-Lösungen im häuslichen Bereich wird bis 2015 um durchschnittlich 22,5 Prozent pro Jahr wachsen, der Markt für klinische Telemedizin dagegen "nur" um 16,8 Prozent. Insgesamt erreicht der Telehome-Markt im Jahr 2015 ein Volumen von 7,9 Milliarden US-Dollar. (BCC Research, 2011)

ICT wird erheblich zur Prozessoptimierung und Kostensenkung im Gesundheitssystem beitragen
Allein durch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte könnten in Deutschland Einsparungen in Milliardenhöhe realisiert werden. Weitere Vorteile eines zunehmenden ICT-Einsatzes im Gesundheitsbereich liegen in der verbesserten Behandlungsqualität und der Entlastung von Mitarbeitern des Gesundheitswesens. (Deutsche Telekom, 2010)

Die Kompatibilität der Systeme untereinander wird eine wichtige Voraussetzung für die positive Entwicklung des E-Health-Marktes sein
Der E-Health-Markt ist stark fragmentiert. Die Vielzahl der angebotenen Produkte, Standards und Insellösungen erschwert die Kompatibilität der Systeme untereinander und verhindert, dass das Einsparpotenzial von E-Health voll ausgeschöpft werden kann. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure und die Etablierung einheitlicher Standards gewinnen vor diesem Hintergrund an Bedeutung.
(Roland Berger, 2009)

2024: Ein permanentes Monitoring von Patienten im eigenen Heim mithilfe von ICT-Systemen ist in Deutschland Standard
Experten schätzen, dass sich "Rund um die Uhr"-Betreuung von Patienten im eigenen Heim mithilfe von ICT-Systemen (E-Health, Monitoring, Telemedizin) in Deutschland bis zum Jahr 2024 als medizinischer Versorgungsstandard etabliert haben wird. (Münchner Kreis et al., 2009)

Mikrowellensensoren könnten Elektroden beim
Vital-Monitoring ersetzen
Elektroden zur Überwachung lebenswichtiger Körperfunktionen sind für den Patienten oft störend. Ein an der Kyushu-Universität in Japan entwickeltes Mikrowellen-Kontrollsystem könnte die physischen Elektroden bald ablösen. Es ist in der Lage, über einen einzigen Sensor wichtige Körperfunktionen wie Atmung und Herzschlag zu überwachen. Anhand der Reflexion der Mikrowellen kann der Sensor Abweichungen beim Heben und Senken des Brustkorbs oder beim Pulsieren der Haut registrieren. (Science Daily, 2010)

Service-Apps werden die Convenience für den Patienten erhöhen
Die Asklepios-Gruppe entwickelt derzeit eine Smartphone-App, die den Patienten rechtzeitig darüber informieren soll, wenn sich ein Termin verschiebt. Eine Nachricht könnte wie folgt aussehen:
"Guten Tag, Herr Schneider. Der Termin verschiebt sich um 40 Minuten. Neue Uhrzeit: 10:40 Uhr. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Wenn Sie schon in der Nähe sind, empfehlen wir das Kaffeehaus Mozart, um die Verspätung zu überbrücken. Klicken Sie hier für die exakten Koordinaten. Ihre Arztpraxis Dr. Sommer."
Das iPhone wird zu einem portablen Medizingerät
Die Zahl der von Medizinern nutzbaren Apps für das iPhone steigt. So lassen sich beispielsweise hochauflösende Röntgenbilder darstellen, Elektrokardiogramme in Echtzeit auch über weite Entfernungen verfolgen oder weitere medizinische Geräte anbinden (Body Area Network).


