Social Media
Zukunftsmarkt im Fokus
Social Media sind soziale Netzwerke oder Netzgemeinschaften, die als Plattformen für den gegenseitigen Austausch von Wissen, Meinungen und Erfahrungen in Form von Texten und Bildern sowie Audio- und Videodateien dienen. Zu den sozialen Medien gehören beispielsweise Internetforen, Mailinglisten, Weblogs, Vlogs, Wikis, Podcasting- und Social-Bookmarking-Dienste. Im Gegensatz zu den traditionellen Medien (Massenmedien) bieten sie die Möglichkeit der sozialen Interaktion und Kollaboration. Inhalte können von den Nutzern selbst erstellt, kommentiert und kontinuierlich verbessert werden (User Generated Content). Diese neuartige Nutzung des Internets wird auch mit dem Schlagwort "Web 2.0" beschrieben. Social Media tragen durch ihre globale Reichweite, Aktualität, Dialogfunktion und leichte Bedienbarkeit wesentlich zur Demokratisierung von Information und Wissen bei. Sie werden die Kommunikation der Zukunft entscheidend prägen und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen. Unternehmen sind nicht nur mit immer emanzipierteren Kunden konfrontiert, sondern stehen zugleich vor der Herausforderung, eine Vielzahl unterschiedlicher, immer wieder neuer Plattformen und Instrumente im Bereich Social Media identifizieren und auf ihre Relevanz hin prüfen zu müssen, um bestimmte Zielgruppen anzusprechen und entscheidende Trends nicht zu verpassen.
Blogosphere auf Expansionskurs
Derzeit gibt es weltweit rund 133 Millionen Blogs. Durchschnittlich wächst die Zahl der Blog-Einträge um 900.000 pro Tag oder 10,4 Beiträge pro Sekunde. 346 Millionen Menschen, das sind 77 Prozent der aktiven Internet-Nutzer weltweit, lesen Blogs. 184 Millionen Menschen haben einen eigenen Blog. Vier von fünf Bloggern werben für bestimmte Marken oder bewerten neue Produkte. (Technorati, 2009)
Bürgerjournalismus immer populärer
Immer mehr Menschen berichten auf Online-Plattformen wie Facebook oder Twitter über aktuelle Ereignisse. Während die Beiträge hinsichtlich ihrer Aktualität dem klassischen Journalismus überlegen sind, mangelt es ihnen aber oft an der notwendigen Qualität. Das Videoportal YouTube bietet mit dem Projekt "YouTube Reporters's Center" Bürgerjournalisten erstmals eine Online-Ausbildungsplattform, auf der sie hilfreiche Tipps für ihre journalistische Arbeit finden können. (Netzwelt.de, 2009)
Chancen im Bereich Social Media bleiben meist noch ungenutzt
Nach einer Umfrage unter Führungskräften von 350 deutschen Unternehmen, die von der Cologne Business School und der Unternehmensberatung Brain Injection in der ersten Jahreshälfte 2009 durchgeführt wurde, wissen 20 Prozent der Befragten nicht, was sich hinter den Begriffen Social Media und Web 2.0 verbirgt. Die Hälfte plant für die Zukunft keinerlei Aktivitäten in diesem Bereich. Dabei konnten 15 Prozent der befragten Unternehmen ihren Verkauf durch Social-Media-Marketing nachweislich steigern. Ebenfalls 15 Prozent setzen soziale Netzwerke erfolgreich in den Bereichen Kundenbindung und Öffentlichkeitsarbeit ein. Auf die Frage nach zukünftig geplanten Social-Media-Aktivitäten wurde mit 21 Prozent die Einrichtung eines Communityprofils am häufigsten genannt. (Brain Injection, 2009)
Jedes zweite DAX-Unternehmen nutzt Twitter
Der Internet-Kurznachrichtendienst wird hauptsächlich zur Übermittlung von Nachrichten und zum Themenaustausch genutzt. Aber auch für Werbezwecke wird das soziale Netzwerk zunehmend eingesetzt. So sind etwa 17 Prozent aller "Tweets" reine Werbung. Bei den DAX-Unternehmen ist der Anteil sogar doppelt so hoch. (Zeit online, 2009)
Trendforschung: Software analysiert Kommunikationsströme
Forscher am Massachusetts Institute of Technology haben ein Programm entwickelt, mit dem sich sekundenschnell die Meinungslage im gesamten Web sondieren lässt. "Condor" durchsucht Webseiten, Foren und Blogs nach positiven und negativen Aussagen zu einem bestimmten Thema und ordnet diese nach Relevanz. Ausschlaggebend ist, wie einflussreich eine Äußerung innerhalb der vernetzten Kommunikation ist. Mit dem Verfahren lassen sich angeblich aktuellere und genauere Prognosen erzielen als durch Meinungsumfragen, beispielsweise bei Wahlen, dem Erfolg von Kinofilmen oder dem Verlauf von Aktienkursen. (focus.de, 2008)
Social Banking
Online-Finanzcommunities und Web 2.0-Kreditbörsen treten in Konkurrenz zu den klassischen Finanzdienstleistungen. Financial Social Networks, in denen Kunden ihre Interessen bündeln und Kredite von privat an privat vergeben (Peer-to-Peer), könnten sich neben Genossenschaftsbanken, öffentlich-rechtlichen Instituten und Privatbanken als vierte Säule des Finanzsystems etablieren.
Die Finanzdienstleister selbst sehen das zurzeit noch anders: 41 Prozent der befragten Experten gehen davon aus, dass entsprechende Plattformen auch in Zukunft ein Nischendasein fristen werden. Chancen für Kooperationen mit den Netzwerken könnten entsprechend ungenutzt bleiben. Zurückhaltung herrscht bei den Instituten auch noch gegenüber der Möglichkeit, selbst Web 2.0-Dienste an der Schnittstelle zum Kunden einzusetzen. Mangelnde Erfahrung, der damit verbundene hohe redaktionelle Aufwand und ungeklärte Reputationsrisiken führen zu einer Diskrepanz zwischen Potenzialeinschätzung und tatsächlichem Einsatz der Dienste. (Wittmann, 2008)
USA: Mehr als 20 Prozent der Online-Werbung entfallen auf soziale Netzwerke
Nach einer comScore-Studie werden in den USA inzwischen 21,1 Prozent der Internet-Anzeigen auf Online-Netzwerken wie Facebook und Myspace geschaltet, ein Indiz dafür, dass die sozialen Netzwerke etablierten Online-Unternehmen wie AOL oder Yahoo zunehmend Konkurrenz machen. Für Werbetreibende sind die Top-Social-Media-Portale vor allem aufgrund ihrer enormen Reichweite und hohen Frequentierung interessant. (comScore, 2009)
Web 2.0 wächst rasant
2008 ist die die Reichweite sozialer Netzwerke und Blogs weltweit um 5,4 Prozent auf insgesamt 67 Prozent gestiegen. Damit haben entsprechende Angebote den vierten Platz der beliebtesten Online-Tätigkeiten erobert und die E-Mail überholt. Die Verweildauer auf Web 2.0-Seiten steigt inzwischen dreimal schneller als die durchschnittlich auf anderen Webseiten verbrachte Zeit. (faz.Net, 2009)
"Sentiment Analysis" wird die Auswertung von Kundenmeinungen im Netz verbessern
Soziale Netzwerke, Blogs und Internetseiten mit Erfahrungsberichten oder Produktbewertungen sind für Unternehmen eine entscheidende Informationsquelle über die Zufriedenheit ihrer Kunden. Allerdings sind die Kundenbewertungen in ihrer Vielzahl und Subjektivität nur schwer zu analysieren. "Sentiment Analysis" wird es in Zukunft ermöglichen, in natürlicher Sprache geäußerte Meinungen und damit die Position eines Autors zu einem Thema mithilfe statistischer und computerlinguistischer Verfahren in verwertbare Daten umzuwandeln. Das Unternehmen Jodange arbeitet zum Beispiel an einem Algorithmus, mit dem sich durch die Auswertung von "Meinungsdaten" sogar zukünftige Entwicklungen eines Unternehmens vorhersagen lassen sollen. Durch "Sentiment Analysis" wird zudem eine neue Generation von Suchmaschinen entstehen, bei denen die Grenzen zwischen Fakten und Meinungen zunehmend verschwimmen. (Wright, 2009)
2012: Jeder dritte Deutsche nutzt Social-Networking-Dienste
2008 nahmen in Deutschland 8,6 Millionen Menschen Social-Networking-Angebote in Anspruch. Bis 2012 soll ihre Zahl auf 21,7 Millionen steigen. Europaweit wird ein Anstieg der Nutzerzahlen von 41,7 Millionen in 2008 auf 107 Millionen 2012 prognostiziert. (heise online, 2008)
Kaufentscheidungsprozess 2.0: Drittmeinungen gewinnen am Point of Decision zunehmend an Bedeutung
Das Web 2.0 transformiert den Kaufentscheidungsprozess als Dialog zwischen Verkäufer und Interessent zunehmend in ein mehrdimensionales Kommunikationsgeflecht, an dem sich beliebig viele Internet-Nutzer beteiligen können. In Zukunft wird kaum noch eine Kaufentscheidung ohne Inanspruchnahme von Drittmeinungen getroffen werden. (Stracke, 2008)
E-Learning-Angebote werden sich durch das Web 2.0 zunehmend informellen Lernprozessen öffnen
Social-Networking-orientierte Lernformen gewinnen an Bedeutung. Das Präsenz-Lernen in einem Schulungsraum dient in Zukunft nur noch dem Basistraining. Da die Trainingsinhalte von den Nutzern im Austausch selbst erzeugt werden, fokussiert sich die Aufgabe der Lernorganisation vor allem auf das Lerninhalte-Management. (BITKOM, 2007)
Recruiting 2.0: Soziale Netzwerke werden bei der Job- und Personalsuche immer wichtiger
Web 2.0-Plattformen wie XING, Facebook oder LinkedIn werden die Strukturen im Recruiting nachhaltig verändern. 72 Prozent der Unternehmen planen, in Zukunft stärker in sozialen Netzwerken zu rekrutieren. Der zunehmende Fachkräftemangel zwingt vor allem spezialisierte Firmen, ihr Employer-Branding auf den entsprechenden Plattformen auszubauen. Weltweit nutzen bereits 734 Millionen Menschen Online-Netzwerke, Tendenz steigend. (Rettig, 2009)
Kundenreaktionen werden zu einem festen Bestandteil der Markenführung werbungtreibender Unternehmen
User Generated Content (UGC) tritt zunehmend in Konkurrenz zur klassischen, unternehmensgesteuerten Werbung. Der Endverbraucher greift damit aktiv in den Prozess der Markenkommunikation ein. Für Unternehmen birgt das zwar einige Risiken, vor allem aber auch Chancen. Meinungsäußerungen zu Produkten und Marken können aufgrund ihrer Authentizität und Glaubwürdigkeit besser überzeugen als klassische Werbung und bieten Interessierten zudem Orientierung und mehr Transparenz. Einem Kontrollverlust über die Kommunikation können Unternehmen zumindest teilweise entgegenwirken, indem sie selbst UGC-Instrumente zur Verfügung stellen und mit kritischen Kunden in einen konstruktiven Dialog treten. (Ernst & Young, 2008)
Mikroblogging wird zu einem wichtigen Marketing-Instrument
Zahlreiche Unternehmen nutzen Mikroblogging-Dienste, um beispielsweise auf neue Produkte und Dienstleistungen aufmerksam zu machen, Nachrichten über das Unternehmen zu verbreiten oder Werbekampagnen zu unterstützen. Jeder dritte Onlinehändler in Deutschland verwendet Twitter als Marketing-Instrument. Weitere 20 Prozent planen, Twitter in Zukunft einzusetzen. Der Computer-Hersteller Dell generiert bereits heute Millionen-Umsätze, indem er den Dienst für seinen Outlet-Shop als Verkaufskanal nutzt. Auch in der internen Unternehmenskommunikation wird Mikroblogging in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Twitter selbst, das inzwischen als eines der wichtigsten Social Networks bewertet wird, erwirtschaftete bislang keinen Gewinn, hat aber ehrgeizige Pläne. Für 2010 erwartet das Unternehmen Umsätze in Höhe von 140 Millionen US-Dollar. 2013 sollen es bei mehr als einer Milliarde Nutzern weltweit bereits 1,5 Milliarden US-Dollar sein. (Internetworld, 2009)
Redaktionen integrieren Blogger zunehmend unter ihre Marke
"Super-Blogger" erreichen mit ihren Beiträgen eine Zielgruppe von mehreren Tausend Personen - eine Zahl, die auch für Online-Redaktionen interessant ist. Die US-Tageszeitung New York Times hat beispielsweise ein "User Generated Portal" eingerichtet und bezahlt erfolgreiche Blogger für aufmerksamkeitsstarke Beiträge. (Ernst & Young, 2008)
Social Shopping gewinnt im Bereich E-Commerce zunehmend an Bedeutung
Beim Social Shopping steht die aktive Beteiligung der Kunden (Produktempfehlungen, Lieblingslisten etc.) und die Kommunikation der Kunden untereinander im Vordergrund. In den letzten Jahren haben sich vor allem im englischsprachigen Raum erste Einkaufsplattformen etabliert, die auf den Community-Gedanken setzen, beispielsweise Crowdstorm, Kaboodle oder Thisnext.(Universal McCann, 2008)
Werbeausgaben in sozialen Netzwerken steigen bis 2013 um 60 Prozent
Die Ausgaben für Werbung in sozialen Netzwerken werden weltweit von 1,36 Milliarden Euro in 2008 auf 2,37 Milliarden Euro in 2012 steigen. (Graumann, 2009)
Web 2.0-Anwendungen und Social Software-Technologien erleichtern das Wissensmanagement in Unternehmen
Web 2.0-Lösungen und Sevice-orientierte IT-Architekturen sind die Treiber der Transformation zum "Unternehmen 2.0" - ein Prozess, der zugleich immer mehr als unternehmensstrategische Aufgabe gesehen wird. Bisher nicht sehr effektive Tools in der organisationsinternen Kommunikation und im Wissensaustausch werden durch Social Networks, Blogs, Wikis und Enterprise Tagging ersetzt und steigern Effizienz, Kreativität, Flexibilität und Innovationspotenzial der Mitarbeiter. (BITKOM, 2007)





