Augmented Reality: Realität mit Untertiteln
Zukunftsmarkt im Fokus
Augmented Reality bezeichnet die computergestützte Erweiterung der Wahrnehmung der Realität. Hierbei steht die visuelle Darstellung zusätzlicher, meist online abgerufener Informationen im Vordergrund, im Unterschied zur virtuellen Realität, bei der der Benutzer komplett in eine virtuelle Umgebung eintaucht. Überall dort, wo zusätzliche Informationen die Effizienz, Effektivität oder schlicht das Vergnügen steigern, ist mit einer Verbreitung von AR-Systemen zu rechnen. Die Technologie gilt als nächster großer Evolutionsschritt des Internets. Die Grenze zwischen Online und Offline wird verschwinden. Anwendungsfelder liegen in den Bereichen Konstruktion und Wartung, Visualisierung und Simulation, Navigation und Fahrersassistenz sowie Werbung und Entertainment. Mobile Anwendungen, insbesondere standortbezogene Dienste auf dem Handy, sind kurz davor, den Massenmarkt erobern.
Augmented Reality ist eine der Top 10-Technologien 2008 bis 2012
Gartner zählt Augmented Reality zu den zehn bahnbrechendsten Technologien im Zeitraum 2008 bis 2012. Das IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen definiert eine Technologie als "bahnbrechend", wenn diese eine wesentliche Änderung in der anerkannten Art, Dinge zu tun, herbeiführt. Dazu zählen u.a. Geschäftsmodelle, Prozesse, Einnahmequellen oder das Verbraucherverhalten. (Gartner, 2008)
Immobiliensuche goes AR
Die Immobilienplattform www.immobilien.net hat eine Augmented Reality-Anwendung für das Smartphone entwickelt. Die App wird vor allem einem Kriterium gerecht: Lage! Wem eine bestimmte Gegend zusagt, braucht nur sein Handy hochzuhalten und die Kamera-Ansicht zeigt die derzeit verfügbaren Immobilien in der Umgebung. Mit Filteroptionen lassen sich die Objekte ausblenden, die nicht den gewünschten Kriterien entsprechen. Hat man eine interessante Immobilie gefunden, können mit einem Klick weitere Bilder, Eckdaten, Preis und Kontaktdaten des Maklers abgerufen werden. (Immobilien.Net, 2010)
Head Mounted Display ermöglicht gezielten Zugriff auf Informationen - per Eye Tracking
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme haben ein bidirektionales Mikrodisplay entwickelt, das es ermöglicht, Displayinhalte ohne manuelle Bedienung allein durch die Augenbewegung anzusteuern. Das OLED-Display wurde in eine Datenbrille integriert, einem sogenannten Head Mounted Display. Der Nutzer nimmt die normale Umwelt wahr, über die eine zusätzliche Schicht von Informationen geblendet wird. Eine im nahen Infrarot (NIR) empfindliche Kamera erkennt die Blickrichtung des Nutzers. So kann beispielsweise durch ein Menü navigiert werden. Anwendungsfelder liegen im Bereich der mobilen Kommunikation, der Industrie (Wartungsassistenz), der Medizin, und dem Transport. (Fraunhofer IPMS, 2009)
Augmented Reality am Point of Sale
Metaio, eine Firma, die Augmented Reality-Lösungen anbietet, hat für die LEGO Gruppe mit der "Digital Box" ein innovatives verkaufsförderndes Konzept entwickelt, bei dem Spielzeug-Verpackungen mittels einer Kamera und einem Display ihren fertig zusammengebauten Inhalt in Form von live-animierten 3D-Szenen verraten. (Metaio, 2009)
Wikitude: Geocodierte Informationen auf dem Smartphone
Der Wikitude World Browser ist eine AR-Anwendung der Mobilizy GmbH für das iPhone sowie für Android- und Symbian-Handys. Die Software überlagert die Bilder der Kamera mit Informationen aus dem Internet. Der Nutzer weiß immer, wo er ist und was er sieht. Technische Voraussetzungen sind GPS und ein eingebauter Kompass, um die Blickrichtung zu ermitteln. Inzwischen bietet der mobile Reiseführer mehr als 350.000 Points of Interest. Vor allem die Tourismusbranche wird von dieser neuen Technologie profitieren. (Mobilizy GmbH, 2010)
Mobile Anwendungen werden einen Boom im Bereich Augmented Reality auslösen
Augmented Reality existiert bereits seit 15 Jahren. Eingesetzt wird die Technologie beispielsweise in der industriellen Automation, in Frontsichtdisplays in Kampfflugzeugen oder beim Online Marketing. Die zunehmende Leistungsfähigkeit mobiler Endgeräte und steigende Datenübertragungsgeschwindigkeiten werden Augmented Reality in den nächsten Jahren zum Durchbruch verhelfen. Mit zahlreichen innovativen Anwendungen wird die Technologie den Massenmarkt erobern. Die Umsätze mit Werbung und mobilen Applikationen (Apps) werden weltweit von sechs Millionen US-Dollar in 2008 auf 350 Millionen US-Dollar in 2014 steigen. (ABI Research, 2009)
Der Markt für Augmented Reality wird ab 2012 rasant wachsen
Der weltweite Umsatz mit mobilen AR-Diensten (Abo-Dienste, Paid-for-Application-Downloads, Spiele und Werbung) wird von zwei Millionen US-Dollar in 2010 auf 732 Millionen US-Dollar in 2014 steigen. Mit der zunehmenden Verbreitung von AR-fähigen mobilen Endgeräten wird sich das Wachstum ab 2012 deutlich beschleunigen. Insgesamt werden bis zum Jahr 2014 weltweit 350 Millionen Smartphones AR-fähig sein. (Juniper Research, 2009)
2012: Weltweit nutzen bis zu 200 Millionen Menschen AR-Anwendungen auf dem Handy
2009 gab es weltweit 600.000 Nutzer von Augmented Reality-Anwendungen auf dem Handy. Bis 2012 wird die Zahl der Nutzer auf 150 bis 200 Millionen steigen. Damit ist das Potenzial allerdings bei weitem noch nicht ausgeschöpft, denn die Zahl der internetfähigen Handys liegt um ein Vielfaches höher. (King, 2009)
Augmented Reality ist die Zukunft des Social Networking
Bereits in wenigen Jahren wird unser Handy Informationen über die Menschen in unserer Umgebung anzeigen: Name, Arbeitsplatz, Interessen – und vor allem, in welchen sozialen Netzwerken sie aktiv sind. Möglich wird dies durch den Einsatz von Gesichtserkennungssoftware.
Einen Prototyp für Android-Handys hat das schwedische Softwareunternehmen "The Astonishing Tribe" entwickelt. "Recognizr" erkennt in sozialen Netzwerken registrierte Personen per Bildabgleich. Allerdings kann der Nutzer selbst bestimmen, welche Netzwerke und Informationen das Umfeld finden darf. (The Astonishing Tribe, 2010)
E-Kontaktlinsen werden unsere Wahrnehmung der Realität erweitern
Die Miniaturisierung elektronischer Systeme wird es in Zukunft ermöglichen, Schaltkreise und Sensoren in Kontaktlinsen zu integrieren. Miniatur-Antennen, optoelektronische Komponenten und Mikrochips werden helfen, unsere visuellen Wahrnehmungsmöglichkeiten zu erweitern. Kontaktlinsen der nächsten Generation enthalten Hunderte von LEDs, die Bilder, Grafiken und Texte halbtransparent vor unseren Augen darstellen und so eine "Informationsschicht" über die wahrgenommenen Objekte blenden. Biosensoren ermöglichen zudem ein kontinuierliches Monitoring von Biomarkern, beispielsweise dem Glukose-Spiegel. Die Daten können drahtlos an Ärzte oder medizinische Versorgungszentren übertragen werden. Biokompatible Materialien gewährleisten die Verträglichkeit der Linsen. (Parviz, 2009)
Retina-Bildschirme werden Informationen auf die Netzhaut projizieren
Mit sogenannten "Retinal Image Displays" (RIDs) wird es in Zukunft möglich sein, Zusatzinformationen wie Texte oder Grafiken indirekt auf die Netzhaut zu projizieren. Prototypen entsprechender Projektoren sind bereits heute so klein, dass sie sich am Rand einer Brille befestigen lassen. Der japanische Konzern Brother hat ein RID entwickelt, bei dem das projizierte Bild dem Betrachter als ein zehn Zentimeter großes Objekt erscheint, das sich etwa einen Meter vor ihm befindet. Dies entspricht einer Bildschirmgröße von 16 Zoll. (Schwan, 2010)
AR-Systeme werden in Zukunft für mehr Fahrsicherheit sorgen
Head-up Displays im Auto existieren bereits seit einigen Jahren. In Sportwagen wird die Technologie beispielsweise eingesetzt, um die Geschwindigkeit direkt auf der Windschutzscheibe anzuzeigen. HUDs der nächsten Generation setzten auf Objekterkennung und sollen vor allem für mehr Fahrsicherheit sorgen. So hat der US-Autohersteller General Motors ein Display-System vorgestellt, das sicherheitsrelevante Daten in Echtzeit anzeigt. Per Ultraviolett-Laser werden Straßenschilder und Objekte, die sich noch nicht im sichtbaren Bereich befinden, auf der Windschutzscheibe gekennzeichnet. Bei schlechten Sichtverhältnissen, etwa bei starkem Regen oder Nebel, lassen sich die Straßenränder einblenden. Auch die Navigation kann deutlich verbessert werden, da Gebäude, Tankstellen, Abfahrten etc. direkt im Sichtfeld markiert werden. (General Motors Company, 2010)
Augmented-Reality in 3D wird die Werbung revolutionieren
Dreidimensionale Darstellungen von Konsumgütern mit eingeblendeten Produktbeschreibungen werden ganz neue Formen der Kundenansprache ermöglichen. Vom iPhone-Download in 3D mit virtueller Führung durch das Menü, über den Blick unter die Motorhaube des Traumwagens im heimischen Wohnzimmer bis hin zum Designcheck, ob die neuen Schuhe auch wirklich zum Kostüm passen – mit AR 3D wird Werbung zu einem fast realen Erlebnis. (The Future Laboratory, 2009)
AR-Systeme werden ein präziseres Arbeiten in der minimal-invasiven Chirurgie ermöglichen
Augmented Reality-Systeme werden in einigen Jahren Standard im Operationssaal sein. Der Chirurg muss sich dann nicht mehr auf Bildschirme neben dem OP-Tisch konzentrieren, sondern bekommt Röntgenaufnahmen von Organen, Knochen und Blutgefäßen sowie Kamerabilder seiner Instrumente über eine Datenbrille (Head Mounted Display) angezeigt. Der reale und der virtuelle Körper des Patienten verschmelzen dabei zu einem dreidimensionalen Bild. Trackingsysteme sorgen dafür, dass das Computerbild exakt dem jeweiligen Blickwinkel entspricht.
Informatiker der TU München haben in Kooperation mit Chirurgen der Chirurgischen Uniklinik ein solches computergestütztes Visualisierungs- und Navigationssystem entwickelt. Klinische Tests sollen demnächst starten. (TUM Fakultät für Informatik, 2010)
