Ambient Assited Living (AAL)
Zukunftsmarkt im Fokus [4.2009]
Ambient Assisted Living (AAL) bezeichnet den Einsatz innovativer technischer Assistenzsysteme, die es vor allem älteren Menschen ermöglichen, ein langes selbstbestimmtes Leben zu führen. Die intelligenten Umgebungen bedeuten einen Zugewinn an Sicherheit, Mobilität, Komfort und Unabhängigkeit. Die Systeme bieten darüber hinaus Möglichkeiten der Fernunterstützung von Kranken, Pflegebedürftigen und Patienten mit Behinderungen oder sozialen Problemen. Moderne Sensortechnologie und Telekommunikationsdienste helfen, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken im häuslichen Umfeld zu minimieren. Soziale Netzwerke ermöglichen außerdem die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der einen steigenden Anteil älterer Menschen und die zunehmende Singularisierung des Alters mit sich bringt, gewinnt das "computergestützte Altern" immer mehr an Bedeutung.
Senioren präferieren intelligente Assistenzsysteme
Nach einer Umfrage des Berliner Instituts für Sozialforschung möchte nur eine Minderheit der Senioren ihren Lebensabend bei der eigenen Familie, in einer Seniorenresidenz oder in einer Senioren-Wohngemeinschaft verbringen. Demgegenüber bevorzugen 58 Prozent der Seniorinnen und 37 Prozent der Senioren das Wohnen in den eigenen vier Wänden mit Unterstützung technischer Systeme. (VDE, 2009)
Markpotenziale für AAL-Anwendungen
In Deutschland gibt es 250.000 Parkinson-Kranke und mehr als eine Million Alzheimer-Patienten. Bei den über 65-jährigen haben zehn Prozent kognitive Probleme. Bei den über 85-jährigen benötigt die Hälfte Unterstützung im täglichen Leben. Ambient Assisted Living ermöglicht den Erkrankten nicht nur, länger in der eigenen Wohnung zu leben, sondern reduziert auch die Pflegekosten. In den USA beispielsweise kostet die Betreuung eines Alzheimer-Patienten im Heim 64.000 US-Dollar pro Jahr, zu Hause nur 20.000 US-Dollar. (AAL, 2009)
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert AAL mit 125 Millionen Euro
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt in den nächsten drei Jahren 125 Millionen Euro an Fördergeldern für den Bereich Altersgerechte Assistenzsysteme bereit. Deutschland nimmt nach Ansicht des BMBF bei AAL-Anwendungen international eine gute Wettbewerbsposition ein, insbesondere in den einzelnen Technologien Medizintechnik, Elektrotechnik, Mikrosystemtechnik, Informations- und Kommunikationstechnologien und Logistik. (BMBF, 2009)
2015: Ambient Assisted Living erreicht in Deutschland ein Marktpotenzial von einer Milliarde Euro
Der Vorstandsvorsitzende des VDE, Dr. Hans Heinz Zimmer, prognostiziert für das Jahr 2015 eine breite Anwendung von AAL-Techniken in Deutschland und hält ein Marktvolumen von einer Milliarde Euro für realistisch. (Grätzel von Grätz, 2009)
Vernetzung, Automatisierung und neue Benutzerinteraktionen prägen den Haushalt der Zukunft
Vernetzte Hausgeräte erfassen in Zukunft über Sensoren und RFID-Technik sicherheitsrelevante Daten. So schaltet sich beispielsweise die vergessene Herdplatte automatisch ab. Geräte lassen sich per Fernbedienung oder Handy auch über größere Distanzen, beispielsweise von Angehörigen oder dem Pflegepersonal steuern. Haushaltsgeräte kommunizieren in natürlicher Sprache mit ihren Benutzern und lassen sich ebenso durch Sprache oder Gesten steuern. Avatare können als grafische Stellvertreter einer realen Person um Hilfe gebeten werden. (VDE, 2008)
Senioren als Innovationstreiber
In Deutschland werden im Jahr 2030 mehr als 28 Millionen Menschen älter als 60 Jahre sein. Zum einen stellt der demografische Wandel die Gesundheitssysteme der alternden Gesellschaften vor erhebliche Herausforderungen, zum anderen gilt es, eine ganz neue Verbrauchergruppe mit einem steigenden Bedarf an maßgeschneiderter Technik zu erschließen. Es ist davon auszugehen, dass sich die künftigen Älteren hinsichtlich der Akzeptanz neuer Technologien deutlich von den heutigen unterscheiden werden. Die Senioren werden zunehmend zu Innovationstreibern technologischer Entwicklungen. Auf drei Billionen Euro wird das Vermögen der älteren Europäer gegenwärtig geschätzt. Das Wachstumspotenzial für Ambient Assisted Living ist enorm. Bis 2013 will die EU in Kooperation mit dem Privatsektor 600 Milliarden Euro in Forschungsarbeiten auf dem Gebiet umgebungsgestützten Lebens investieren. (Krüger-Brank, 2008)
Experten erwarten eine breite Nutzung von AAl-Leistungen und -Produkten ab 2010/2015
Experten prognostizieren nach einer VDE-Befragung ein schnelles Marktwachstum und eine breite Nutzung von Ambient-Assisted-Living-Technologien für den Zeitraum 2010 bis 2015. Frühe Durchbrüche sollen vor allem in den Bereichen Telemedizin und Kommunikation erzielt werden. "Smart-Home"-Technologien werden ab 2015 breitere Anwendung finden. Der Einsatz von Assistenz-Robotern wird erst für die Zeit nach 2020 erwartet. (VDE, 2009)
Der Globale Markt für Telemedizinische Systeme wird sich zwischen 2006 und 2012 nahezu verdreifachen
Chronisch Kranke und Senioren werden die ersten Nutzer von AAL-Systemen sein
Erhebliches Einsparpotenzial durch AAL-Technologien
Die Kosten für Gesundheit und Pflege werden in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland deutlich steigen. Mit intelligenten Assistenzsystemen ließen sich drei Milliarden Euro einsparen, wenn nur zehn Prozent der älteren Menschen ein Jahr länger als bisher im eigenen Haushalt leben könnten. (Krüger-Brank, 2009)
2012: Durch drahtlose Sensor-Netzwerke lassen sich weltweit 25 Milliarden Us-Dollar im Gesundheitswesen einsparen
Nach einer Studie von ON World können im Jahr 2012 durch den Einsatz drahtloser Sensor-Netzwerke weltweit 25 Milliarden US-Dollar an Kosten in der medizinischen Versorgung eingespart werden, weil beispielsweise unnötige Krankenhausaufenthalte oder überflüssige Einsätze des ambulanten Pflegepersonals vermieden werden. (ON World, 2008)
AAL-Leistungen werden geleast oder als Wohnnebenkosten abgerechnet
In Zukunft könnte Ambient Assisted Living über die Nebenkosten abgerechnet werden. Der Bauherr übernimmt die notwendigen Investitionen und der Bewohner bezahlt die Leistungen wie Energie oder Wasser über die Nebenkostenabrechnung. Für zeitlich begrenzte AAL-Unterstützung, beispielsweise nach einem Unfall, wird es alternativ ein Leasing-Modell geben. (Rademacher, 2009)
AAL-Module lassen sich auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt installieren
Ambient-Assisted-Living-Lösungen werden in Zukunft als erweiterbares System angeboten, so dass die einzelnen Module abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse gebucht werden können. Vorstellbar sind die Module Kommunikation (etwa Videokommunikation mit Familienangehörigen), Medikamente (interaktive Blister, die an die Medikamenteneinnahme erinnern), Inkontinenz (ein intelligentes WC ermöglicht ein visuell unterstütztes Beckenbodentraining und die automatische Intimwaschung), Mobilität (Sensoren überwachen Bewegungsabläufe), Sturz (Stürze werden erkannt und automatisch an eine Notrufzentrale weitergeleitet) und Ernährung (die Erstellung des Speiseplans und die Bestellung der Lebensmittel über einen Dienstleister erfolgen automatisch). (VDE, 2008)