Autohandel und Werkstätten müssen sich neu erfinden oder werden verschwinden

Die Elektromobilität kommt schneller und flächendeckender als bisher gedacht. Experten haben 2017 ihre Prognosen zugunsten einer schnelleren Einführung von E-Autos korrigiert. Von den Automobilherstellern wurde die Vision Elektromobilität offensiv wie nie zuvor in die Öffentlichkeit getragen. Und auch das Thema ‚Autonomes Fahren‘ stand und steht ganz oben auf der Agenda. Bereits in zehn bis fünfzehn Jahren könnte die Vorherrschaft des motorisierten Individualverkehrs und des Verbrennungsmotors zu Ende sein. Flotten autonom fahrender Elektrofahrzeuge werden dann zunehmend das Straßenbild bestimmen. Gekoppelt mit autonomem Fahren entwickelt die Elektromobilität ihr wahrhaft disruptives Potenzial. (Mehr zur Disruption des Automotive-Marktes: Das A und E der Mobilität der Zukunft)

Bereits in zehn bis fünfzehn Jahren könnte die Vorherrschaft des motorisierten Individualverkehrs und des Verbrennungsmotors zu Ende sein.

Was bedeutet es für die Händler und Werkstätten, wenn ein großer Teil der Wertschöpfung im Mobilitätssektor in Zukunft anders oder gar nicht mehr erbracht wird?

Autohändler und Werkstätten verlieren den Endkunden

Heute setzt vor allem der Internet-Handel den klassischen Autohandel unter Druck. Während die Zahl der online verkauften Neuwagen steigt, nimmt die Zahl der Händler ab. Gleichzeitig werden die Autohäuser größer: Immer höhere Investitionen in die Präsentationsflächen sind notwendig, um Kunden ein wirkliches Erlebnis bieten zu können. Auch in den nächsten Jahren wird sich der Konzentrationsprozess im Automobilhandel weiter fortsetzen.

Eine viel größere Bedrohung geht allerdings von der kompletten Neuorganisation der Mobilität hin zu einem Service-Modell aus. Eine aktuelle Studie prognostiziert, dass bereits im Jahr 2030 in den USA 95 Prozent der zurückgelegten Kilometer durch ein Transport- oder Mobility-as-a-Service-Modell substituiert werden könnten, mit signifikant weniger Fahrzeugen. Wenn aber immer weniger Privatpersonen ein Auto kaufen und Hersteller und Mobilitätsdienstleister direkt miteinander kooperieren, droht dem überwiegenden Teil der Händler das Aus.

Auch für die Werkstätten sind die Aussichten auf den ersten Blick düster: Trotz der deutlich höheren Auslastung der Fahrzeuge in autonomen Flottensystemen wird der Wartungs- und Reparaturaufwand aufgrund der geringeren Fahrzeuganzahl und deutlich gesunkener Unfallzahlen zurückgehen. Zudem werden die Fahrzeuge durch die Elektrifizierung weniger wartungs- und reparaturanfällig sein als heute. Den Werkstätten droht allein durch die Elektromobilität ein massiver Beschäftigungsrückgang. Die Fahrzeugbesitzer von heute sind die Mobilitätsnutzer von morgen – sie werden nicht mehr Kunden der Werkstätten sein.

Welche Chancen birgt die Neuordnung des Mobilitätsmarktes?

Wenn sich Märkte radikal wandeln, gibt es immer Verlierer und Gewinner. Gewinnen werden diejenigen, die ihr Geschäftsmodell frühzeitig auf die neue Realität ausrichten. Jedes Unternehmen muss seine eigene Antwort auf die Frage entwickeln, auf welche Wirkungen es sich in Zukunft spezialisieren sollte. Diese Ausrichtung sollte Kunden, Mitarbeiter und Eigentümer gleichermaßen begeistern. Und sie sollte zukunftsrobust gegen Trends und Marktveränderungen sein. Eine starke Vision ist das beste Führungsinstrument, um die Organisation erfolgreich in die neue Ära zu führen.

Jedes Unternehmen muss seine eigene Antwort auf die Frage entwickeln, auf welche Wirkungen es sich in Zukunft spezialisieren sollte.

In unserem Markt Foresight Future Car Sales & Services. Wie der Wandel des Mobilitätsmarktes das Geschäft für Händler und Werkstätten verändern wird haben wir exemplarisch sechs Chancen entwickelt, die helfen sollen, den Blick für die Gestaltungsoptionen zu öffnen. Zwei dieser Chancen sind als mögliche strategische Optionen für eine Zukunft zu verstehen, in der Mobilität radikal durch Mobility-as-a-Service-Modelle dominiert wird:

1. Autohändler werden zu Mobilitätsanbietern

Statt Autos werden in Zukunft verstärkt Mobilitätsdienstleistungen nachgefragt werden. Autohändler können hiervon profitieren, wenn sie ihr Rollenverständnis ändern und sich als Mobilitätsdienstleister positionieren. Dabei müssen sie sich als hoch agil erweisen, denn im Zeitverlauf dürften unterschiedliche Service-Modelle nachgefragt werden – vom Miet- und Carsharing-Auto bis hin zum Robocab. Langfristig können Händler mit Automarken und ÖPNV-Betreibern kooperieren und Services rund um Flotten vernetzter autonomer Elektrofahrzeuge anbieten

2. Werkstätten werden zu Robocab Service Stations

Mit der Verbreitung des autonomen Fahrens müssen sich Werkstätten zu Marken-Servicezentren entwickeln. Dafür sollten sie mit Herstellern und Flottenbetreibern kooperieren, die nicht unbedingt die heutigen Markenführer sein müssen. Neben der Sicherstellung des Betriebs, der Bereitstellung der Ladeinfrastruktur sowie der Reinigung und Wartung der E-Flotten sind sie auch für die IT und die Bereitstellung von datenbasierten Zusatzdienstleistungen (Cloud-Services, Infotainment, Payment-Lösungen etc.) zuständig. Werkstätten werden ihr Portfolio von physischen Dienstleistungen wie Wartungen und Reparaturen mehr in Richtung immaterielle Services ver-schieben müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Händler und Werkstätten müssen eine klare Mission und Vision entwickeln

Die Zukunft für Händler und Werkstätten ist äußerst ungewiss. Sie werden nur überleben, wenn sie sich neu erfinden und ihre Positionierung und Vision zukunftsrobust definieren. Die Neuausrichtung des Geschäfts unter Berücksichtigung der externen Trends (Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle, automatisiert-elektrisches Fahren etc.) und der individuellen Stärken ist für diejenigen, die im Markt bestehen wollen, realistisch betrachtet zwingend notwendig.

Zur Disruption im Mobilitätsmarkt sind bisher erschienen:

Future Car Sales & Services. Wie der Wandel des Mobilitätsmarktes das Geschäft für Händler und Werkstätten verändern wird (2017)

Future Urban Mobility. Integration und Disruption: Städte als Zentren der Neuordnung des Mobilitätsmarktes (2016)

Smart Cars Are Coming Fast. Herausforderungen und Chancen im Zukunftsmarkt ‚Intelligent Driving‘ (2015)

Geschäftsmodelle für die Mobilität der Zukunft (2014)

Sie können das White Paper How to survive the mobility disruption: 6 strategy archetypes and 8 tactical moves if your business is threatened by the next era of mobility hier kostenlos herunterladen.

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