Roadmap to Disaster: Warum in 15 Jahren niemand mehr ein Auto kaufen wird

Mit dem Ford Modell T begann vor mehr als 100 Jahren die Massenmotorisierung. Das durch Kutschen dominierte Straßenbild sollte sich ab 1908 innerhalb weniger Jahre komplett verändern. Bis zum Ende der 1920er Jahre wurde die 'Tin Lizzie' millionenfach verkauft. Viele Kutschenbauer und -betriebe gingen pleite. Einige, die weitsichtigeren, entwickelten sich zu Waggonfabriken, Straßenbahnbetrieben oder Autohändlern. Der motorisierte Individualverkehr hat dem 20. Jahrhundert seinen Stempel aufgedrückt – ein Erfolgsmodell. Nun steht die Automobilbranche selbst vor dem größten Wandel ihrer Geschichte. Bereits in 15 Jahren wird niemand mehr ein Autohaus betreten oder ein Auto kaufen. Die heute Geborenen könnten die ersten sein, die keinen Führerschein mehr benötigen.

Was passieren wird? Eine denkbare Roadmap …

2018-2022: Dicke Luft

Nachdem es immer mehr deutschen Städten nicht gelingt, die in der EU geltenden Schadstoffgrenzwerte einzuhalten, verhängen zahlreiche Kommunen Fahrverbote für Diesel. In den meisten Großstädten wird zudem eine City-Maut eingeführt, um die Zahl der Autos mit Verbrennungsmotor auf den Straßen zu reduzieren und mehr Menschen für den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu motivieren. Durch eine höhere Taktung von Bussen und Bahnen kombiniert mit deutlich günstigeren Tarifen werden zusätzlich Anreize für den Wechsel gesetzt. Gleichzeitig entsteht in den urbanen Gebieten ein flächendeckendes Netz von Ladestationen für Elektroautos. Der Anteil von Elektroautos an allen verkauften Fahrzeugen steigt auf zwanzig Prozent. 90 Prozent davon sind rein elektrisch betriebene Fahrzeuge. Ende 2022 sind auf deutschen Straßen 1,4 Millionen Elektroautos unterwegs. Der Verkauf von Neuwagen insgesamt stagniert bei 3,5 Millionen pro Jahr. Die Zahl der Autohäuser hat sich durch Konsolidierung gegenüber dem Jahr 2015 auf rund 3.700 halbiert.

2023-2025: Aufbruch in die Elektromobilität

Elektroautos haben ohne weitere staatliche Förderung die Preisparität mit Verbrennern erreicht. Es sind die großen Boom-Jahre der Elektromobilität. Neue und leistungsfähigere Batterien mit einer höheren Reichweite und längeren Lebensdauer überzeugen die Verbraucher. Alle Autohersteller haben ihre Produktpalette an Elektromodellen massiv ausgeweitet. Die meisten Fahrzeuge bieten hochautomatisiertes Fahren (Level 3) an, das vor allem bei Autobahnfahrten zum Einsatz kommt. Urbane Mobilität ist durch einen smarten hocheffizienten ÖPNV sowie zahlreiche Sharing-Konzepte und innovative E-Mobilitätsdienstleistungen privater Anbieter geprägt. Innovative Mikromobile treten zum Auto als Lifestyleobjekt und Statussymbol in Konkurrenz und finden breiten Einsatz in der Kurzstreckenmobilität. Der Anteil von Elektroautos an allen verkauften Fahrzeugen steigt auf 90 Prozent. Ende 2025 sind auf deutschen Straßen 7,5 Millionen Elektroautos unterwegs. Die Luftqualität in den Städten konnte deutlich verbessert werden. Der Verkauf von Neuwagen insgesamt ist auf drei Millionen pro Jahr gesunken. In Deutschland existieren nur noch 3.000 Autohäuser. Aufgrund der deutlich geringeren Wartungsintensität der Elektromotoren geraten auch die Werkstätten massiv unter Druck.

2026-2028: Kaufen oder mieten?

Das Jahr 2026 markiert das Ende des Verbrennungsmotors: Der Anteil an allen verkauften Neuwagen sinkt auf unter ein Prozent. Elektromobilität wird alltäglich. Rund 16 Millionen E-Autos sind auf deutschen Straßen unterwegs. Der Energiebedarf kann zu einem großen bis überwiegenden Teil aus kostengünstigen regenerativen Quellen gedeckt werden. Der überwiegende Teil der Neuwagen verfügt über Technologien zum vollautomatisierten Fahren (Level 4), das allmählich auch in urbanen Verkehrssituationen zum Einsatz kommt. Das individuelle Fahrerlebnis tritt bei Kaufentscheidungen zunehmend in den Hintergrund. Der Fahrzeuginnenraum wird verstärkt zum mobilen Arbeiten, Shoppen, Entspannen etc. genutzt. Da die Einführung autonomen Fahrens (Level 5), bei dem das Fahrzeug alle Fahrfunktionen übernimmt und ein Fahrer nicht mehr erforderlich ist, absehbar ist, zögern immer mehr Menschen einen Neuwagenkauf heraus. Leasing- und Sharing-Anbieter erleben einen Aufschwung. Im Jahr 2028 werden in Deutschland nur noch 2,6 Millionen Fahrzeuge verkauft. Auch die großen Autohäuser geraten unter Druck. Amazon ist zum erfolgreichsten Autoverkäufer und Leasing-Anbieter aufgestiegen. Die Zahl der Autohäuser ist auf weniger als 2.000 gesunken. Ihre Funktion hat sich weitgehend auf die einer Schnittstelle zwischen Kunde und Online-Händler reduziert.

2029-2031: Service-Anbieter verdrängen Händler

Zunehmend autonom fahrende Elektroautos prägen das Straßenbild. Im Online-Handel liefern sie sich quasi selbst an den Kunden aus oder stehen zum verabredeten Zeitpunkt für eine Probefahrt vor der Tür. Der stationäre Handel spielt kaum noch eine Rolle. Doch auch der Online-Handel gerät unter Druck. Ein immer flächendeckenderes Mobility-as-a-Service-Angebot macht den Kauf eines eigenen Autos zunehmend obsolet. Vor allem Stadtbewohner profitieren von einer schnellen und bequemen Tür-zu-Tür-Mobilität. Die Fahrten können allein oder – dann günstiger – im Verbund mit anderen gebucht werden. Die Betreibermodelle variieren. In einigen Städten sind sie rein öffentlich und haben den klassischen ÖPNV zunächst ergänzt und dann abgelöst. In anderen Städten dominieren private Anbieter. Es ist absehbar, dass sich der Markt weiter konsolidieren wird. Im Jahr 2031 werden in Deutschland nur noch eine Millionen Neuwagen verkauft, die Hälfte davon an Mobilitätsdienstleister.

2032-2034: Robotaxis zum Spot(t)preis

Die Einführung autonomer Elektro-Fahrzeugflotten hat den gesamten Mobilitätsmarkt disruptiert. Mobilität ist ein stets verfügbarer und extrem kostengünstiger Service. Die Energieversorgung der Flotten erfolgt komplett aus regenerativen Energien. Die Strompreise sind in den letzten Jahren durch zahlreiche Energie-Innovationen drastisch gesunken. Die Robotaxis werden genutzt, um Lastschwankungen im Stromnetz auszugleichen. Durch Photovoltaik-Lacke produzieren sie einen Teil der von ihnen benötigten Energie sogar selbst. Mobility-as-a-Service wird das dominierende Mobilitätskonzept des 21. Jahrhunderts bleiben. Gekauft werden Autos nur noch von Liebhabern – damit fahren dürfen sie auf öffentlichen Straßen allerdings nicht mehr.

Ist ein solches Szenario vorstellbar? Auf der Grundlage heutigen Wissens über gesellschaftlich-politische Trends und technologische Entwicklungen ist es mindestens vorstellbar, eher sogar wahrscheinlich.

Auf eine langsame Veränderung zu setzen, wäre fahrlässig.

Elektromobilität und das autonome Fahren werden kommen. Ich erinnere mich an viele Projekte mit führenden Automotive-Unternehmen, in denen diese Aussage noch vor wenigen Jahren grundsätzlich infrage gestellt wurde. Heute besteht in Führungsteams nur noch Uneinigkeit über die Geschwindigkeit des Wandels und die Dringlichkeit des Handelns. Die großen Automobilhersteller bereiten sich nicht mehr nur vor, sondern treiben selbst Innovationen voran. Wie können Unternehmer im öffentlichen Verkehr, im Autohandel, in Werkstätten und bei Zulieferern damit umgehen? Auf eine langsame Veränderung zu setzen, wäre fahrlässig. Der Wandel im Markt für Mobilität wird so massiv sein, dass vielfach eine komplette Neuausrichtung des Unternehmens notwendig wird. Er ist vergleichbar mit der oben genannten Transformation vom Kutschenhersteller zum Autohändler oder Straßenbahnbetreiber. Eine solch massive Veränderung des Geschäftsmodells braucht eine klare Vision und Strategie. Und sie braucht Zeit, Energie und Konsequenz in der Umsetzung.

In den kommenden Wochen werde ich hier einige Strategieprinzipien beleuchten, wie Akteure im Mobilitätsmarkt die Disruption meistern und sogar gestärkt aus ihr hervorgehen können.

Zur Disruption im Mobilitätsmarkt sind bisher erschienen:

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Enno Däneke

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