Die Städte sind und bleiben Zentren für Mobilitätsherausforderungen und -innovationen. Die weiter wachsenden Weltbevölkerung und fortschreitende Urbanisierung erfordern den kontinuierlichen Ausbau urbaner Infrastrukturen. Bereits heute leben mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten. Vor allem die Metropolen und Millionenstädte stehen vor der Aufgabe, dieses rasante Wachstum nachhaltig zu gestalten, um die Gefahren durch Umweltverschmutzung und Gesundheitsbelastungen zu minimieren.

Städte sind die Lebens- und Arbeitsräume der Zukunft. Ihre wichtigsten Merkmale sind: Komplexität, Dynamik, Wandel und Wachstum. Ohne einen entsprechenden Auf- und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur droht allerdings vielen Städten der Mobilitätsinfarkt. Informations- und Kommunikationstechnologien bieten hier ein erhebliches Potenzial zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Sicherheit der bestehenden Infrastruktur. Gleichzeitig werden Infrastrukturen neu gedacht und genutzt. Intelligente Mobilitätskonzepte gewinnen im Kontext zunehmend vernetzter ‘Smart Cities’ an Bedeutung.

Abhängig von Wachstumsgeschwindigkeit, regionalen Bedingungen und finanziellen Mitteln wird ihnen das sehr unterschiedlich gelingen. Die folgenden Szenarien sind daher weniger als ein ‘Entweder-oder’ als ein ‘Sowohl-als-auch’ zu verstehen.

Szenario I: Verkehrs- und emissionsbelastete Städte

2030: Mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung konzentrieren sich in urbanen Gebieten. Der städtische Personenverkehr hat weiter zugenommen. Trotz Ausweitung von ÖPNV-Angeboten ist die Verkehrsleistung im motorisierten Individualverkehr weltweit in absoluten Zahlen weiter gestiegen. In den Städten der aufstrebenden Länder hat der motorisierte Individualverkehr sogar Anteile am Modal Split hinzugewonnen. Insbesondere die zunehmende Kaufkraft der wachsenden Mittelschichten hat hier zu einer starken Auto-Nachfrage geführt. Der Besitz eines eigenen Fahrzeuges gilt als Statussymbol.

Bei den Fahrzeugantrieben dominiert weiterhin der Verbrennungsmotor. Die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien ist langsamer vorangeschritten, als ursprünglich prognostiziert. Insbesondere ein über Jahre niedriger Ölpreis hat Innovationen aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit verhindert und zum Beispiel den Herstellern von Elektroautos zu schaffen gemacht. Die Absätze entsprechender Fahrzeuge stagnieren. Die Ausgaben privater Haushalte für Diesel und Benzin sind durch den anhaltend niedrigen Ölpreis gegenüber den frühen 2010er Jahren deutlich gesunken. Aus diesem Grund werden seit einigen Jahren verstärkt SUVs und Geländewagen mit vergleichsweise höherem Kraftstoffverbrauch nachgefragt, die eine höhere Effizienz teilweise wieder kompensieren.

Zahlreiche Städte stehen vor dem Verkehrskollaps. Den Regierungen ist es bislang nicht gelungen durch Gesetze die richtigen Impulse für die Förderung der Elektromobilität zu setzen. Nur einige wenige ‘Pionierstädte’ in Europa konnten wirksame Projekte einer nachhaltigen urbanen Mobilität erfolgreich realisieren. In zahlreichen Megacities hingegen erreichen die Stickstoffoxid- und Feinstaubwerte immer wieder neue Rekordwerte. Der Smog belastet die Umwelt und die Gesundheit der Bewohner. Der verkehrsbedinge CO2-Ausstoß ist weiter gestiegen. Millionen von Menschen sterben weltweit jedes Jahr vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung. Das Tragen von Atemschutzmasken gehört zum Alltag. Die explodierenden Megastädte stehen weiterhin vor der Herausforderung, dass der Individualverkehr schneller wächst als die Verkehrsinfrastruktur, die häufig nicht finanzierbar und aufgrund des dynamischen Wachstums der Städte und sich immer wieder ändernder Mobilitätsmuster auch nicht nachhaltig planbar ist.

Szenario II: Umweltfreundliche Individualmobilität

2030: Der Stadtverkehr ist gekennzeichnet durch eine klima- und umweltfreundliche Mobilität. Vor allem in den europäischen und nordamerikanischen Städten sind nur noch Elektroautos zugelassen. Die Energiewende im Mobilitätssektor war politisch gewollt, um international vereinbarte Klimaziele zu erreichen und die Belastung durch Feinstaub zu reduzieren, und wurde durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen auf den Weg gebracht und staatlich, zum Beispiel durch Kaufprämien, subventioniert. Mit der zunehmenden Etablierung tragfähiger Geschäftsmodelle in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre, konnte die Förderung weitgehend wieder zurückgefahren werden. Es existiert eine breite Palette ökologisch und ökonomisch attraktiver Lösungen aus privater Hand.

Die Fahrzeugantriebe sind weitgehend elektrifiziert. Hybridfahrzeuge haben lediglich ein Zwischenstadium dargestellt. Der Stadtverkehr wird dominiert durch eine rein elektromotorisch angetriebene, aus erneuerbaren Energien gespeiste Individualmobilität. Neben batteriegetriebenen Fahrzeugen finden zunehmend auch Brennstoffzellenfahrzeuge Einsatz. Sharing-Konzepte fristen weiterhin ein Nischendasein. Nicht nur Gesetze und finanzielle Anreize haben einer hohen Akzeptanz der Elektromobilität den Weg geebnet, sondern auch stark gestiegene Reichweiten und gesunkene Kosten. Es existiert ein flächendeckendes Netz an Ladestationen und Wasserstofftankstellen. Freie Stationen können vom Fahrzeug aus geortet und reserviert werden. Erste Städte experimentieren mit induktiven Verfahren, die ein Laden über den Straßenbelag ermöglichen. Die Interoperabilität von Fahrzeugen und Infrastrukturen unterschiedlicher Hersteller und Betreiber ist durch internationale Standardisierung sichergestellt. E-Fahrzeuge leisten durch die Möglichkeit der Energierückspeisung einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilisierung (Smart Grid).

Das Fahrzeugdesign ist stadtgerechter geworden. Es zeichnet sich ein eindeutiger Trend in Richtung Mikromobilität und Typenvielfalt ab. Zwei-, drei- und leichte vierrädrige Modelle prägen das Stadtbild, entlasten den Verkehr und entspannen die Parkraumsituation. Unverändert werden die Angebote des ÖPNVs in Anspruch genommen. In einigen Entwicklungs- und Schwellenländer kommen neben E-Lösungen weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zum Einsatz, allerdings mit einer deutlich höheren Kraftstoffeffizienz.

Szenario III: Smarte multi- und intermodale Mobilität

2030: Technologiebasierte Innovationen in Kombination mit gesamtheitlichen Entwicklungskonzepten haben urbane Räume zu ‘Smart Cities’ transformiert. Die Städte zeichnet ein hoher Grad sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit aus. Durch die umfassende IKT-basierte Vernetzung verschiedener Bereiche (Wohnen, Mobilität, Logistik, Handel, Energie etc.) können unterschiedliche Infrastrukturebenen miteinander synchronisiert und Synergieeffekte genutzt werden.

Seit Ende der 2020er Jahre ermöglicht der neue Mobilfunkstandard 6G Datenübertragungsraten von bis zu 60 GBit. Mobilitätsmuster können in Echtzeit ausgewertet und Verkehrsflüsse unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Daten aus unterschiedlichsten Quellen optimiert werden. Staus gehören weitestgehend der Vergangenheit an. Mobilität ist energieeffizient und emissionsarm.

Der motorisierte Individualverkehr ist in den meisten Städten deutlich zurückgegangen, zum einen infolge gesetzlicher Regelungen, zum anderen aufgrund eines veränderten Mobilitätsverhaltens. Die meisten Stadtbewohner haben die Vorteile eines hochflexiblen multi- und intermodalen Mobilitätssystems für sich erkannt. Virtuelle Mobilitätsassistenten schlagen unter Berücksichtigung sämtlicher Anbieter, unterschiedlicher Verkehrsträger und der aktuellen Verkehrslage die jeweils beste Option vor. Es existieren einfache und transparente Preismodelle (Flatrate, Abrechnung nach Zeit, Abrechnung nach Wegstrecke etc.), die alle Mobilitätsformen integrieren.

Zwar ist der Mobilitätsmarkt verhältnismäßig stark fragmentiert, die unterschiedlichen Angebote greifen aber optimal ineinander. Ein breites ÖPNV-Angebot wird ergänzt durch zahlreiche Sharing-Konzepte und innovative Mobilitätsdienstleistungen privater Anbieter. Free Floating wird ebenso genutzt wie private Fahrdienstleistungen. Innovative Mikromobile haben dem Auto als Lifestyleobjekt und Statussymbol den Rang abgelaufen und finden breiten Einsatz in der Kurzstreckenmobilität. Unternehmen konkurrieren auf regionaler, teilweise globaler Ebene mit ihren Produkten und Dienstleistungen um den Zugang zu den einzelnen Städten. In den Städten selbst allerdings kooperieren sie (‘Win-win’). Daten- und plattformbasierte Geschäftsmodelle dominieren. Die Elektrifizierung der Fahrzeuge und Verkehrsmittel schreitet sukzessive voran. Autonome Fahrzeuge sind bislang nur für die Langstrecke, nicht aber für den Stadtverkehr zugelassen.

Szenario IV: Autonome Elektro-Fahrzeugflotten

2030: Urbane Mobilität wird dominiert durch klima- und umweltfreundliche autonome Elektro-Fahrzeugflotten. Die Entwicklung entsprechender Fahrzeuge und leistungsfähiger Steuerungssysteme für den Stadtverkehr war politisch gewollt, um international vereinbarte Klimaziele zu erreichen sowie Umwelt- und Gesundheitsbelastungen zu reduzieren, und wurde durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen auf den Weg gebracht. Es existiert ein flächendeckendes Netz an Ladestationen, die von den Fahrzeugen autonom angesteuert werden. In den meisten Städten kann der Energiebedarf zu einem großen bis überwiegenden Teil mit regenerativen Quellen abgedeckt werden. Die E-Fahrzeuge leisten durch die Möglichkeit der Energierückspeisung einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilisierung (Smart Grid).

Seit Ende der 2020er Jahre ermöglicht der neue Mobilfunkstandard 6G Datenübertragungsraten von bis zu 60 GBit. Die Systeme bieten höchste Verkehrssicherheit. Die Stadtbewohner profitieren von einer schnellen und bequemen Tür-zu-Tür-Mobilität. Die Fahrten können allein oder – dann günstiger – im Verbund mit anderen gebucht werden. Die Betreibermodelle variieren. In einigen Städten sind sie rein öffentlich und haben den klassischen ÖPNV zunächst ergänzt und dann abgelöst. In anderen Städten, insbesondere den Megacities, dominieren private Anbieter. Hier teilen oftmals mehrere Flottenbetreiber den Markt unter sich auf. Es ist absehbar, dass sich der Markt weiter konsolidieren wird. Ebenfalls häufig zu finden sind Public-Private-Partnership-Modelle. Der motorisierte Individualverkehr sowie – nach einer kurzen Blütezeit – smarte intermodale Verkehrslösungen haben weitestgehend an Bedeutung verloren. Weiterhin gut ausgelastet sind lediglich die großen Metro-Systeme in den Metropolen. Die Einführung autonomer Elektro-Fahrzeugflotten hat den gesamten Mobilitätsmarkt disruptiert. Das 21. Jahrhundert gilt als Zeitalter einer postfossilen kollektiv genutzten Mono-Mobilität. Die Fahrzeugdesigns entsprechen der Funktion eines Massentransportmittels. Ein Höchstmaß an Individualisierung bieten hingegen IKT- und datenbasierte sekundäre Mobilitätsservices wie Infotainment, Schnittstellen zu Arbeitsplatz und Smart Home, In-Vehicle-Commerce etc.

Der Individualverkehr beschränkt sich auf das Fahrrad und elektrische Mikromobile und dient hauptsächlich der Gesundheits- und Erlebnisorientierung.

Hinweise:

Dieser Beitrag enthält Auszüge aus dem Market Foresights Report Future Urban Mobility – Städte als Zentren der Neuordnung des Mobilitätsmarktes. Der vollständige Report kann hier heruntergeladen werden.

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