Wenn wir Probleme neu denken, finden wir auch neue Lösungen. Ein gutes Beispiel dafür ist Michael Pritchards Wasseraufbereitungsanlage für den Rucksack.

In vielen Regionen der Welt mangelt es an sauberem Trinkwasser. Das Problem wird durch Bevölkerungswachstum und Wohlstandszuwachs immer gravierender. Über eine Milliarde Menschen sind nicht ausreichend mit sauberem Trinkwasser versorgt. Millionen von Menschen weltweit sterben jährlich an Durchfallerkrankungen, und viele davon werden durch verunreinigtes Trinkwasser verursacht. Wie kann dieses Problem gelöst werden?

Das konventionelle Denken würde einfach in die Zukunft fortschreiben, was wir schon kennen: Wir müssen eine moderne Trinkwasser-Infrastruktur aufbauen, dann wird das Problem schon gelöst sein. Aber wie lange würde das dauern? Jahrzehnte vermutlich. Wie viel würde es kosten? Wie viele Menschen sollen noch sterben, bis das alles funktioniert?

Man nehme: Nanofilter und Muskelkraft

Es geht auch viel einfacher, schneller und kostengünstiger. Der Ingenieur Michael Pritchard hat den tragbaren Lifesaver-Filter entwickelt: Mithilfe dieser Flasche kann aus schmutzigem Wasser binnen Sekunden sauberstes Trinkwasser hergestellt werden – und zwar buchstäblich im Handumdrehen. In die Flasche gefülltes Wasser, etwa aus verdreckten Tümpeln oder Flüssen, wird mit einer aufsteckbaren Handpumpe durch einen Filter gepresst. Der Aktivkohlefilter verfügt über eine Porengröße von nur 15 Nanometer und ist damit fein genug, um nicht nur Bakterien, Parasiten und Pilzsporen, sondern sogar Viren aus dem Wasser herauszufiltern. In Sekundenschnelle wird so aus verdrecktem Brackwasser frisches Trinkwasser. 6000 Liter Wasser kann man mit einer einzigen Filterkassette säubern.

Viele Leben retten mit wenig Geld

Lifesaver Bottle
(c) Lifesaver Bottles: www.lifesaversystems.com

Inspiriert wurde Pritchard durch die Medienberichterstattung über den Tsunami im Jahre 2004. Damals dauerte es Tage, um die betroffenen Regionen mit Trinkwasser zu versorgen. Viele Menschen starben, weil sie kontaminiertes Wasser getrunken haben. Die absurde Situation, dass Menschen, die infolge von Unmengen Wassers obdachlos wurden, deswegen starben, da es ihnen an (Trink-)Wasser mangelte, ließ ihn nicht los, bis er eine Lösung gefunden hatte, mit der Trinkwasser vor Ort „hergestellt“ werden kann.

Pritchard betont, wie wichtig es ist, Probleme neu zu denken: „Durch eine andere Denkweise und somit die Verarbeitung von Wasser an der Verwendungsstelle müssen Mütter und Kinder nicht länger vier Stunden am Tag laufen, um ihr Wasser zu sammeln. Sie können es von einer nahegelegenen Quelle besorgen.“

Mit nur acht Milliarden Dollar könnte das UN-Millenniumsziel erreicht werden — die Halbierung des Anteils der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mit 20 Milliarden Dollar, ein vergleichsweise kleiner Betrag, könnte jeder Mensch weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Die zwei Millionen Kinder, die jedes Jahr an fehlendem oder kontaminiertem Trinkwasser sterben, würden leben.“