Enno Däneke

Erste Erfolge auf einem langen Weg zur Circularity

Das Erwartungs-Szenario der Circular Economy 2030 geht davon aus, dass in den nächsten 10 Jahren sehr große Fortschritte im Bereich Circularity erreicht werden. Die Menge des eingesammelten Verpackungsmülls wird besonders in Entwicklungsländern deutlich steigen und weltweit steigen die Recyclingquoten.

Diese Fortschritte werden mit hoher Wahrscheinlichkeit schon bald eintreffen, allerdings ist damit die Umsetzung der Circular Economy noch längst nicht erreicht. Langfristig wird das Thema Closed Loop Recycling angepeilt, wobei eine Produktion in einem geschlossenen Kreislauf bei gleichbleibendem Qualitätsniveau sichergestellt wird. Materialien werden also ohne Qualitätsverluste recycled. Rezyklate können so auch in hochwertigen Anwendungen wie im Lebensmittelbereich und in der Medizin eingesetzt werden. Heute ist in dieser Form die Produktherstellung in kaum einer Branche möglich, allerdings werden bereits große Fortschritte auf dem Weg zu Closed Loop Recycling erzielt.

Technologie und Investitionen sind die Wegbereiter der Circular Economy

Es benötigt technologische Fortschritte in der Sortiertechnik, der Sensorik, den Materialien und dem Verpackungsdesign, um der Circular Economy näher zu kommen.

Experten erwarten zudem einen starken Einfluss durch Regularien der EU. Derzeit treten die Plastic Directives in Kraft, wobei eine Verschärfung der Auflagen in den nächsten Jahren erwartet wird. Die Erfahrung zeigt, dass solche Umweltregularien sobald sie eingeführt sind, tendenziell nach und nach weiter in der Schärfe angezogen werden. Das war in in den vergangenen Jahren in der Mobilität (CO2-Emissionen) der Fall und wird bei Kunststoffen ähnlich sein.

Den gesamten Bereich des Recyclings erwarten große Investitionen, wodurch neue Märkte entstehen werden. Darin finden sich neue Chancen bei der Wiedergewinnung von Kunststoffen. Ein Umdenken und von Grund auf neue Ansätze für Technologien und Geschäftsmodelle sind notwendig. Die Aktivitäten verschiedener Akteure werden sich schrittweise in Richtung Circularity verlagern.

Diese Entwicklung wird ganze Industrien betreffen. Industrieexperten erwarten beispielsweise, dass besonders die Unternehmen der Chemieindustrie, die bislang nicht als Treiber von Circularity bekannt waren, einen Strategiewechsel vollziehen und aktiv in den Recyclingmarkt einsteigen werden. Es gibt unterschiedliche Optionen, wie der Einstieg in den Bereich der Circularity aussehen kann. Vor allem ist es wahrscheinlich, dass Unternehmen selbst Wastemanagement betreiben, indem sie sich in gewisse Märkte einkaufen oder sie selbst entsprechende System aufbauen, um dem Thema gerecht zu werden.

Szenarien zur Circular Economy 2030

Paradoxon zwischen Kundenerwartung und Kundenverhalten

Die Einschätzungen der Experten weisen ein Paradoxon zwischen Kundenerwartung und Kundenverhalten auf. In besonderer Betrachtung stehen hierbei die Endkunden, die auf der einen Seite enorme Anforderungen an die Nachhaltigkeit und die Circularity von Produkten und Verpackungen stellen werden aber auf der anderen Seite kaum dazu bereit sind mehr Zeit und Geld für die Umsetzung zu investieren.

Das heißt, dass Trennen von Müll ist schon das höchste der Gefühle und für viele Konsumenten fast schon unzumutbar. Ihnen ist zu viel Aufwand damit verbunden. Höhere Preise sind für viele ebenso ein absolutes No-Go.

Die Lösung für diesen Widerspruch ist, die Komplexität, die das Recycling mit sich bringt, vom Kunden weg zu nehmen. Der ganze Recyclingprozess muss im Hintergrund ablaufen. Die Industrien muss jegliche Art von Abfallstrom so verarbeiten können, dass Wertstoffe gesichert werden. Nur so lassen sich die Kundenanforderungen erfüllen ohne dabei den Kunden zu belasten.

Renewable Plastics als Lösung für die Zukunft?

Ein weiterer Ansatz findet sich im Thema Renewable Plastics. Darunter sind Plastik und Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu verstehen. Die Annahme ist, dass dieses Feld wachsen aber eine untergeordnete Rolle spielen wird. Die Sorge besteht, dass es eine starke Landuse Competition gibt.

Bebaubare Fläche nimmt tendenziell ab, beispielsweise durch Umweltzerstörung. Gleichzeitig entstehen höhere Anforderung bei der Versorgung der Menschheit, weil die Weltbevölkerung zunimmt. Hinzu kommt der Wettbewerb um die Anbauflächen von Unternehmen aus der Energiewirtschaft, die auch auf nachwachsende Roh- und Treibstoffe setzen. Wenn die knappen landwirtschaftlichen Flächen auch noch für die Herstellung Grundstoffen für Verpackungen genutzt werden, wird es sehr eng. Deshalb die Annahme der Experten, dass Renewable Plastic keine übergeordnete Rolle spielen wird. Wahrscheinlicher ist die Umsetzung des Prinzips reduse – reuse – recycle.

Wird es Plastikverbote geben, um die Circular Economy zu erzwingen?

Bei allem regulatorischem Druck auf die Plastikindustrie, glauben die Marktexperten trotzdem nicht an breite Plastikverbote. Plastikverbote für bestimmte Einsatzfelder, Wegwerfartikel und ähnliches sind schon in vielen Ländern etabliert. Kunststoff wird aber nicht in der Breite als Verpackungsmaterial verboten werden. Davon gehen zu mindestens Experten im Erwartungsszenario aus.

Dies ist allerdings ein Szenario, bei dem es unterschiedliche Einschätzungen gibt, und daher ist die Betrachtung eines Alternativszenarios relevant. Dabei stellen sich folgende Fragen: Was wäre, wenn ein breites Kunststoff- und Plastikverbot in Kraft treten würde? Wie muss man sich dann aufstellen? Was heißt das für Branchen?  Was wären Alternativen?

Kunststoffverpackungen werden nicht ohne Grund so zahlreich verwendet. Die Preisvorteile, die lange Haltbarkeit und das geringe Gewicht sind wesentliche Argumente, die die alternativen Materialien mit sich bringen müssten, um Kunststoffe zu ersetzen. Außerdem besteht auch bei neuen Materialien die Anforderung an eine Rezyklierbarkeit die gewährleistet sein muss, um als Alternative zu überzeugen. Das ist gerade bei Komposit-Materialien, die heute oft Kunststoffe ersetzen in der Regel nicht gegeben.

Zukunftschance Circular Economy

Insgesamt ist festzuhalten, dass im Erwartungsszenario viele ermunternde Signale zu vermerken sind die zeigen, dass sich die Wirtschaft auf dem richtigen Weg befindet. Es gibt bereits vielversprechende Ansätze aber der Weg zu Circularity ist noch weit. Gerade deshalb bieten sich auf diesem Feld so viele Chancen.

Unternehmen lohnt es sich zu überlegen, welche Strategie anzuwenden ist und wie man in diesem Markt aktiv werden kann. Der Umstieg auf die Circular Economy wir für Jahrzehnte relevante Wachstumsmärkte produzieren. Gerade bei so einem Megatrend lohnt es sich, früh einzusteigen und sich heute gut zu positioniert, um über Jahre die Früchte davon zu tragen.

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