Humanoide Roboter: Wie intelligent werden sie sein?

Dr. Pero Mićić

Gestern noch Science Fiction, heute Realität, morgen Revolution: Wie im Film iRobot. Wenn humanoide Roboter Einzug in unsere Arbeitswelt halten, werden sie Arbeit und Wirtschaft und Gesellschaft so radikal verändern, wie es sich kaum jemand vorstellen kann. Auch deinen Job und dein Unternehmen.

Roboter arbeiten seit über 60 Jahren in unseren Fabriken. Jetzt kommt eine neue Generation. Die humanoiden Roboter. Sie sind körperlich gebaut wie wir Menschen.

Werden die Humanoiden jetzt auch noch intelligent? Wie es die Chinesische Regierung ankündigt? Alle Argumente und die Antwort bekommst du in diesem Beitrag. Und auch eine Empfehlung, was du jetzt tun kannst, um dich zukunftssicherer zu machen.

Video auf Youtube

Im ersten Beitrag zu humanoiden Robotern haben wir eingeschätzt, wie gut die körperlichen Fähigkeiten der humanoiden Roboter sein werden. Ergebnis: Sie können heute schon oder bald einen großen Teil der körperlichen Aufgaben des Menschen erledigen. Und langfristig werden sie praktisch fast alles tun können, was ein Mensch mit seinem Körper tun kann. Immerhin fehlen bis 2030 über 100 Millionen Arbeitskräfte weltweit.

Humanoide Roboter: Welche gibt es schon?

Diese Übersicht von Cern Basher auf der Plattform X zeigt, dass schon 21 Unternehmen und Labore humanoide Roboter entwickeln. Vermutlich noch einige mehr. Fünf dieser öffentlich sichtbaren Humanoiden können schon autonom Arbeiten erledigen. Aber auch, hier in der Spalte ganz rechts, dass noch keiner an Kunden verkauft wird. Die rot markierten kommen aus China, die blauen aus dem Westen. Boston Dynamics gehört zu koreanischen Hyundai und Punyo kommt von Toyota aus Japan.

In diesem zweiten Beitrag geht es um die Intelligenz der Humanoiden. In späteren Beiträgen schauen wir auf gesellschaftliche Auswirkungen, die Finanzen und auch auf die Frage, wovon wir Menschen leben werden, wenn die Roboter uns so viel Arbeit abnehmen. Und womit wir uns dann beschäftigen werden.

Werden humanoide Roboter nicht nur körperlich sehr fähig, sondern auch intelligent sein?

Zurück zur Kernfrage: Werden humanoide Roboter nicht nur körperlich sehr fähig, sondern auch intelligent sein? Möglicherweise so intelligent, dass Millionen und Milliarden Humanoide für uns arbeiten werden? Ich meine hier immer kognitive Intelligenz. Also nicht emotionale Intelligenz und auch nicht die anderen menschlichen Intelligenzen. Wir finden eine solide Antwort, indem wir systematisch die Plus- und Minus-Argumente nennen und analysieren. Zuerst die Plus-Argumente, die dafür sprechen, dass die Humanoiden eine sehr hohe kognitive Intelligenz haben werden.

Intelligente humanoide Roboter: Plus-Argumente

1. Humanoide Roboter bekommen durch KI enorme kognitive Fähigkeiten

Das ist das wirklich Neue. Humanoide Roboter werden jetzt menschenähnlich intelligent. Zumindest kognitiv. Der Roboter-Körper bekommt ein Gehirn. Oder anders, KI bekommt jetzt einen Körper.
KI kann mit Plug-ins heute schon so gut wie alle kognitiven Aufgaben erledigen. Es gibt keinen Menschen, der in so vielen verschiedenen Gebieten solche Fähigkeiten hat wie ChatGPT oder Gemini. Was sie nicht wissen und können, holen sie sich über Plug-ins aus soliden Quellen wie zum Beispiel Wolfram Alpha für mathematische Fähigkeiten. Machen diese KIs Fehler? Klar, so wie Menschen auch. Halluzinieren sie? Tun sie also manchmal nur so als wüssten sie die Antwort? Klar, so wie Menschen auch. Ganz wichtig: Wenn du nur auf die heutigen Fähigkeiten schaust, wirst du die Zukunft falsch einschätzen. Wir werden nie wieder so schlechte KI haben wie heute.

KI kann schon lange die Emotionen in einem Gesicht erkennen und verstehen. Sogar den Gesundheitszustand. KI versteht uns oft besser als die meisten Menschen. KI beherrscht praktisch alle Sprachen. Mit KI muss man bald vielleicht gar keine Programmiersprachen mehr beherrschen, weil man mit normaler menschlicher Sprache Software schreiben kann.

KI kann komplexe Arbeitsprozesse abarbeiten. KI ist multimodal geworden, beherrscht also Text, Bild, Video, Mathematik und mehrdimensionale Modelle. KI kann heute schon schon erstaunlich gut Autofahren. Das ist eine enorm komplexe Aufgabe. Dagegen sind viele Arbeiten in der Produktion, im Handwerk und im Haushalt sehr einfach.

Die Roboter bekommen also ein KI-Gehirn. Mit all den Fähigkeiten, die ich eben genannt habe. Und noch vielen weiteren mehr. Das ist der große Entwicklungsschritt, der gerade stattfindet. Und das in hoher Geschwindigkeit. Deshalb gibt es jetzt auf einmal so viele und große Fortschritte bei humanoiden Robotern.

Somit werden Humanoide nicht nur einfache körperliche Arbeiten ausführen können, sondern auch komplizierte und komplexe. Also auch Arbeiten, in denen es häufig zu Überraschungen kommt. Wie das etwa im Handwerk, im Gastronomie-Service und im Haushalt der Fall ist.

2. Humanoide Roboter sind immer hochkonzentriert für höchste Arbeitsqualität

Ein humanoider Roboter versinkt im Unterschied zu uns nicht in Gedanken, lässt sich nicht ablenken und wird nicht unkonzentriert. Selbst nach vielen Stunden und Tagen nicht. Ein Roboter hat nicht mal einen schlechten Tag. Wut, Traurigkeit oder Hunger beeinträchtigen seine Arbeit nicht. Auch Medikamente und Drogen nicht.

Die Arbeitsqualität der Humanoiden wird immer hoch, präzise und konsistent sein. So hoch, wie man sie von uns allein schon aus Menschenfreundlichkeit nicht verlangen kann. Wir sind schließlich keine Maschinen.

3. Humanoide Roboter vergessen nichts

Wieviel von dem, was du in Schule und Ausbildung gelernt hast, weißt du wirklich noch? Wieviel von dem, was du im letzten Buch gelesen hast, weißt du noch im Detail. Wie sicher bist du, dass du dich an jedes Detail aus der Prozessbeschreibung oder Arbeitsanweisung erinnerst? Hm? Eben!

Wenn wir in Rente gehen, ist unser Wissen und Können für unser Unternehmen verloren. Wenn wir sterben, ist es für die Welt verloren. Wir Menschen müssen unser Wissen immer wieder mit jeder Generation von vorne aufbauen.

Intelligente humanoide Roboter dagegen vergessen nichts, außer dem veraltete Wissen, dass sie vergessen müssen und sollen. Ihr Wissen und Können wird also ständig größer und größer. Wir Menschen haben da keine Chance mitzuhalten. Es sei denn, wir erweitern unsere Gehirne, aber das ist ganz anderes Thema.

4. Die KI-Roboter lernen unvorstellbar schnell

Wie schon gesagt: Was die Humanoiden heute an kognitiven Fähigkeiten haben, darfst du nicht zum Maßstab dafür machen, was du ihnen in Zukunft zutraust. Denn die Fähigkeiten wachsen exponentiell. Dazu gibt es später noch einen speziellen Beitrag. Hier schon mal als Vorschau:

Humanoide lernen vom Menschen. Mit einem so genannten Motion-Capture-Anzug, also einem Anzug, der Bewegungen eines Menschen sehr präzise erfasst, kann man eine KI und damit einen Roboter trainieren. Und das immer besser. So dass sie uns das Tanzen beibringen können, was ja bei manchen Talenten einiges an Geduld erfordert.

Humanoide lernen durch Beobachtung des Menschen. Entweder durch direkte Beobachtung oder aus Videos. Gerade werden KIs für autonomes Fahren trainiert, indem sie Millionen Stunden an 360-Grad-Videos von sehr gutem Fahren ansehen. So entsteht der beste Fahrer der Welt, der bald viele Male sicherer fahren wird als irgendein Mensch auf der Erde.

Humanoide lernen von selbst. Schon 2019 hat AlphaGo alle Go-Großmeister haushoch besiegt, obwohl man der KI das Spiel gar nicht beigebracht hat. Sie hat es einfach selbst gelernt.

Humanoide lernen voneinander. Ja, die Roboter werden auch jeweils einzeln lernen können. Was ein Roboter lernt, wie etwa Kaffee zuzubereiten, lernt damit auch jeder andere Roboter weltweit. Über eine Skill-Plattform kann man sich dann alle möglichen Fähigkeiten installieren. Vermutlich werden die Hersteller begrenzen, was ein Humanoider lernen darf.

Kurzgesagt: Humanoide Roboter werden so intelligent sein wie auch KI kognitiv intelligent sein wird. KI Systeme werden zum Gehirn der Roboter. Und die KI-Systeme bekommen einen Körper.

Intelligente humanoide Roboter: Minus-Argumente

Jetzt schauen wir auf die Minus-Argumente, die dagegen sprechen, dass humanoide Roboter ausreichend intelligent sein werden, um millionen- oder gar milliardenfach für uns zu arbeiten. Wohlgemerkt, es geht hier nur um die Machbarkeit. In welchem Maße Humanoide gesellschaftlich akzeptiert und rechtlich erlaubt sein werden, ist eine ganz andere Frage.

1. Die Weiterentwicklung von KI könnte technisch scheitern

Ich kann es vorwegnehmen. Das ist das einzige Argument, dass dagegen spricht, dass humanoide Roboter in Zukunft nicht nur erstaunliche körperliche Fähigkeiten haben werden, sondern auch kognitiv so intelligent sein werden, dass sie in Massen für uns arbeiten werden. Und es ist ein Argument im Konjunktiv, es könnte passieren. Wie?

1a. Es könnte an der Verfügbarkeit von Daten scheitern.

Das aber auch nur theoretisch, denn die Datenmengen nehmen weiter unvorstellbar schnell zu. Und ja, auch die Qualität der Daten.

1b. Es könnte daran scheitern, dass KI-Technologie sich nicht mehr weiterentwickelt.

Nun, selbst wenn ab heute keine neuen Fortschritte und Erkenntnisse mehr erzielt werden würden, würden die heute verwendeten Methoden mit neuronalen Netzen und End-to-end-Training ausreichen, um humanoide Roboter intelligent genug zu machen. Also unwahrscheinlich, dass dieses Argument greift.

1c. Es könnte an der Rechenleistung scheitern.

Nicht wirklich, es kann nur passieren, dass es langsamer vorangeht als ich hier annehme. Dass die Entwicklung von KI komplett an der Rechenleistung scheitert, halte ich für ausgeschlossen.

1d. KI könnte an der Verfügbarkeit von Energie scheitern.

Hier gilt das Gleiche. Ja, KI wird sehr große Mengen an Energie brauchen. Aber der rasante Zubau an regenerativer Energie wird die nutzbare Menge an Energie immer weiter steigern. Es kann vielleicht langsamer vorangehen, aber nicht an Energiemangel scheitern.

Angesichts der enormen Fortschritte von KI, die praktisch wöchentlich zu sehen sind und angesichts der enormen Investitionen ist es wirklich sehr unwahrscheinlich, dass KI jetzt in der Entwicklung stehenbleibt und damit auch die humanoiden Roboter nicht künstlich intelligent werden.

Ergebnis

Und hier ist das Ergebnis unserer Analyse – es ist eindeutig: Ja, humanoide Roboter werden kognitiv intelligent genug sein, um in großer Zahl für uns zu arbeiten. Weitaus viel intelligenter als es die bisherigen Industrieroboter und Spezialroboter sind, die wir bisher nutzen.

Im ersten Beitrag dieser Reihe zu humanoiden Robotern habe ich die Frage beantwortet, ob ihre körperlichen Fähigkeiten ausreichen werden, um viel unserer Arbeiten zu erledigen. Die Antwort war ein klares Ja.

In diesem zweiten Beitrag haben wir geprüft, ob sie zudem auch noch kognitiv intelligent sein werden. Und wieder ist die Antwort ein ziemlich sicheres Ja.

Wohlgemerkt: Damit humanoide Roboter für uns arbeiten, müssen sie lange nicht alles können, was wir Menschen können. Humanoide Roboter werden körperlich und kognitiv enorme Leistungen bringen können. Und deshalb in unsere Arbeitswelt und Lebenswelt Einzug halten. Sie werden zu gravierenden umwälzenden Veränderungen führen. Mehr dazu in folgenden Beiträgen.

Was kannst du jetzt tun?

Erstelle dir eine Matrix:

Liste auf der einen Achse in Zeilen alle physischen Prozesse und Tätigkeiten auf, die in deinem Unternehmen erledigt werden müssen.

Liste auf der zweiten Achse in Spalten die Jahre ab 2024 bis 2035.

Schreibe in jeden Kreuzungspunkt, wie viel Prozent der jeweiligen Tätigkeit im entsprechenden Jahr von einem humanoiden Roboter erledigt werden können. Das ist natürlich nur deine erste intuitive Schätzung.

Begründe deine Einschätzung. Je weiter in der Zukunft du bist, desto weniger Argumente wirst du finden, dass ein humanoider Roboter die Tätigkeit nicht ausführen kann.

Lasse deine Kollegen und Mitarbeiter die gleiche Einschätzung machen, unabhängig von dir. Zeige ihnen vorher meine Videos. Du wirst staunen, wie sehr sich die Einschätzungen unterscheiden.

Jetzt gilt es zu priorisieren. Suche und finde mit deinem Team Infos über Robotik für die jeweilige Tätigkeit. Führt schon mal erste Gespräche.

Werde Mitglied unserer Community der Bright Future Leaders. Du bekommst regelmäßig kostenlos Tipps und Strategien, um dich und dein Unternehmen zukunftssicherer zu machen.

Weitere Beiträge zur humanoidern Robotern:

Humanoide Roboter: Die Lösung für den Arbeitskräfte-Mangel? (Teil 1)

Ich wünsche dir eine glänzende Zukunft: Have a bright future!

Platzhalter